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Das älteste Uhrengeschäft der Welt befindet sich an der Zürcher Bahnhofstrasse. Ende Jahr schliesst es

Vor 99 Jahren ist Beyer an seinen heutigen Standort im Orell-Füssli-Hof gezogen (Bahnhofstrasse 31). Davor war das Unternehmen 50 Jahre lang zwei Türen weiter in Richtung Paradeplatz, an der Bahnhofstrasse 25. (PD)

Das älteste Uhrengeschäft der Welt befindet sich an der Zürcher Bahnhofstrasse. Ende Jahr schliesst es

Wirtschaft

31.3.2026 | nzz.ch

Das älteste Uhrengeschäft der Welt befindet sich an der Zürcher Bahnhofstrasse. Ende Jahr schliesst es

Patek Philippe übernimmt den traditionsreichen Juwelier Beyer Chronometrie auf Anfang 2027. Was hinter dem Entscheid steht.

Die Zürcher Bahnhofstrasse verliert eines ihrer ältesten Geschäfte: Nach 266 Jahren schliesst die Beyer Chronometrie Ende Jahr. Die Besitzerfamilie verkauft ihr Uhrenfachgeschäft an die Genfer Marke Patek Philippe. Auf der Fläche, die schon heute eine Patek-Boutique umfasst, entsteht ein grosser Salon der Genfer Uhrenherstellerin. Über den Verkaufspreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Grund für den Verkauf ist das Fehlen einer familieninternen Nachfolge. René Beyer, der langjährige Patron, führte das Unternehmen in siebter Generation bis zu seinem Tod im April 2025. Weder er noch seine Schwester Muriel Zahn-Beyer, die nach Beyers Tod die Geschäftsführung übernommen hat, haben Nachkommen. Die Familie hat deshalb seit längerem nach einer externen Lösung gesucht.

Ein Teil des Geschäfts läuft weiter

«Mein Bruder hat sich frühzeitig mit der Zukunft des Unternehmens auseinandergesetzt», sagt Zahn-Beyer der NZZ. Die Lösung mit Patek Philippe sei für ihn «die logische Konsequenz einer über Jahrzehnte gewachsenen Partnerschaft und Ausdruck seiner Verantwortung gegenüber dem Unternehmen, den Mitarbeitenden und dem Standort Zürich». Patek Philippe erwarb laut Zahn bereits 2024 eine Minderheitsbeteiligung an Beyer.

Der Verkauf an die Genfer Uhrenherstellerin hat laut Zahn-Beyer den Vorteil, dass nicht das gesamte Geschäft aufgegeben werden muss. Der Multimarken-Bereich mit Rolex, Tudor oder IWC, der Marke, die den grössten Teil ausmacht, schliesst. Aber die Patek-Boutique, die etwa einen Fünftel der Fläche belegt, kann nahtlos weitergeführt und auf der ganzen Fläche zu einem Patek-Salon erweitert werden.

Die Beyer Chronometrie kann so etwa einem Drittel der Belegschaft eine Perspektive bieten. Die 25 Mitarbeitenden, die heute für die Patek-Boutique arbeiten, werden übernommen. «Dass wir einem Teil unserer Mitarbeitenden eine Weiterbeschäftigung ermöglichen können, ist für mich ein zentraler Vorteil dieser Lösung», sagt Zahn-Beyer.

Die übrigen rund 35 Mitarbeitenden werde sie bestmöglich bei der Suche nach einer neuen Stelle unterstützen. Auch die frühe Kommunikation – neun Monate vor der eigentlichen Schliessung – habe den Zweck, den Mitarbeitenden genügend Zeit zu geben, um sich neu zu orientieren.

Vierter Patek-Salon weltweit

Für Patek Philippe entfällt mit dem Kauf die Suche nach einem neuen Standort. Zusätzlich sichert sich das Unternehmen eine der attraktivsten Verkaufsflächen an der Bahnhofstrasse. Das Geschäft von Beyer erstreckt sich über drei Stockwerke und umfasst inklusive Museum rund 600 Quadratmeter. Das Gebäude gehört der UBS. Der bestehende Mietvertrag dürfte jedoch durch den Eigentümerwechsel nicht tangiert werden.

Ob Patek von sich aus den Wunsch gehabt hätte, die Präsenz in Zürich auszubauen, bleibt dahingestellt. Das Genfer Familienunternehmen gehört neben Rolex zu den wenigen Top-Uhrenmarken, die bis heute stark mit dem Fachhandel zusammenarbeiten. Die bestehende Patek-Boutique ist Ausdruck dieser Zusammenarbeit und hätte wohl noch länger genügt.

Der geplante Salon bedeutet allerdings keine Strategieänderung. Schon jetzt markiert die Nobelmarke an einigen strategisch wichtigen Orten wie Genf, Paris und London mit eigenen Ladenformaten Präsenz. Nun kommt mit Zürich ein vierter Standort dazu.

Weiterführung als Multimarken-Händler nicht realistisch

Andere Optionen für die Unternehmensnachfolge waren kaum umsetzbar. Ein Fortbestand von Beyer als unabhängiger Händler – etwa durch ein Management-Buyout oder einen neuen Eigentümer – hätte das Risiko bedeutet, die wichtigsten Marken im Sortiment zu verlieren: Rolex und Patek Philippe.

Beyer gehört zu den wenigen Händlern weltweit, die beide Marken führen. Diese Partnerschaften sind äusserst wertvoll, da sie eine stabile Nachfrage sichern. Gleichzeitig machen sie jedoch abhängig. Der Verlust einer Konzession würde die Existenz des Unternehmens gefährden.

Bei einem Verkauf wäre es wahrscheinlich gewesen, dass Rolex oder Patek die Zusammenarbeit mit Beyer einstellen würden. Beide Uhrenhersteller haben ihre Kontrolle über den Vertrieb in den vergangenen Jahren systematisch verstärkt. Sie reduzieren die Zahl der Verkaufspartner und setzen teilweise auf eigene Boutiquen.

Ein Privileg mit Risiko

Dass Beyer beide Marken bis heute führt, verdankt sich der Familie und ihrer Geschichte. Die Verbindung zu Patek Philippe reicht bis ins Jahr 1842 zurück und zählt zu den ältesten Geschäftsbeziehungen der Branche. Zwischen der Familie Beyer und der Familie Stern, die Patek besitzt, bestehen freundschaftliche Bande. Auch die Beziehung zu Rolex ist tief und persönlich geprägt. Solche Verbindungen respektieren Rolex und Patek; beide Marken zeigen grosse Loyalität.

Allenfalls hätte Rolex als Käufer infrage kommen können. Doch der Konzern hat 2023 mit der Übernahme der Luzerner Bucherer-Gruppe bereits einen weitaus grösseren Händler erworben, ebenfalls mit Präsenz an der Zürcher Bahnhofstrasse.

So kommt es nun also zu diesem Verkauf an Patek Philippe. Damit bleibt ein Teil des Betriebs erhalten. Aber die Beyer Chronometrie, das 1760 gegründete Traditionshaus, verschwindet als eigenständiger Händler.

Suche nach einer Lösung für das Uhrenmuseum

Nicht Teil der Transaktion ist das Uhrenmuseum im Untergeschoss, das im Besitz der Familie bleibt. Es beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen weltweit und zieht jährlich mehr als 12 000 Besucher an. Muriel Zahn-Beyer sucht derzeit nach einem neuen Standort, vorzugsweise in der Stadt Zürich.

Vor 99 Jahren ist Beyer an seinen heutigen Standort im Orell-Füssli-Hof gezogen (Bahnhofstrasse 31). Davor war das Unternehmen 50 Jahre lang zwei Türen weiter in Richtung Paradeplatz, an der Bahnhofstrasse 25.

Vor 99 Jahren ist Beyer an seinen heutigen Standort im Orell-Füssli-Hof gezogen (Bahnhofstrasse 31). Davor war das Unternehmen 50 Jahre lang zwei Türen weiter in Richtung Paradeplatz, an der Bahnhofstrasse 25. (PD)

Andrea Martel, «Neue Zürcher Zeitung»

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