Ein Haus weiter: Die UBS hat die Migration der CS-Kunden erfolgreich abgeschlossen. (Adobe Stock)
Wirtschaft
18.3.2026 | nzz.ch
Der Letzte löscht das Licht: Die UBS hat die Kunden der CS erfolgreich übergeführt
Am vergangenen Wochenende hat die Grossbank die letzten Kunden ihrer einstigen Rivalin auf ihre Plattform übergeführt. Nun kann sie damit beginnen, die Kostenvorteile zu heben. Die Banker, die daran mitgearbeitet haben, könnten bald ihren Job verlieren.
Die Zahlen können sich sehen lassen: Die UBS hat rund 1,2 Millionen Kunden von der Credit Suisse (CS) auf ihre eigene Plattform übertragen. Drei Millionen Briefe hat sie im Zuge der Integration an die Kunden verschickt. Allein in der Schweiz waren 6000 Personen mit dem Riesenprojekt beschäftigt.
Am vergangenen Wochenende hat sie die letzten CS-Kunden in der Schweiz auf die Plattform der UBS übergeführt. Das hat die Grossbank am Mittwoch bekanntgegeben.
Für die UBS ist das eines der wichtigsten Etappenziele, seit sie im März 2023 die Krisenbank übernahm. Weltweit ist es der erste Zusammenschluss zweier systemrelevanter Grossbanken. Für die meisten Kunden hat er ohne grosse Probleme funktioniert: Weder sind Guthaben verschwunden, noch gab es grossflächige Zahlungsausfälle oder Daten-Leaks. Als Weltklasse bezeichnete ein früherer IT-Manager von UBS Schweiz die Leistung der Grossbank gegenüber der NZZ.
Es stand viel auf dem Spiel
Dabei gab es zu Beginn durchaus Zweifel. Kritiker verwiesen auf das Debakel in Deutschland nach der Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank. Hier ging die Migration der IT-Systeme 2023 gehörig schief. Mieten wurden teilweise nicht mehr überwiesen, oder Kunden konnten überhaupt nicht mehr auf ihr Geld zugreifen.
Für die UBS stand in den vergangenen drei Jahren sehr viel auf dem Spiel. Insbesondere, da sie sich selbst für die Integration einen strengen Zeitplan auferlegt hatte. «Es war klar, bis Ende 2026 musste die Integration abgeschlossen sein», sagt Michelle Bereaux, Chefin Compliance and Operational Risk Control der UBS, die bis Ende 2025 die Leitung der Integration innehatte, im Gespräch mit der NZZ.
Den Zeitplan hätten der Bankchef Sergio Ermotti und der Verwaltungsrat der Grossbank vorgegeben, so Bereaux. Verhandeln liessen die Banker nicht mit sich. Auch wenn es dem Vernehmen nach innerhalb der Grossbank durchaus Stimmen gab, die mehr Zeit für die Kundenmigration wollten. Für die UBS-Verantwortlichen war daher klar: Damit es im Hinblick auf die Abschaltung der IT-Systeme der CS reicht, müssen die letzten Kunden spätestens Ende März 2026 auf die UBS-Systeme übertragen sein.
Wo immer möglich UBS-Systeme
Während die Arbeiten für die Migration der CS-Kunden im Ausland bereits unmittelbar nach der Übernahme begannen, konnten in der Schweiz die Planungsarbeiten erst mit ein paar Monaten Verzögerung beginnen. Die UBS gab den Entscheid, die CS-Schweiz ebenfalls zu integrieren, erst im Sommer 2023 bekannt. «Wir hatten ein klares Prinzip, das uns bei der Planung geholfen hat. Wo immer möglich, setzen wir auf die Systeme der UBS und auf unsere Prozesse und unseren Risikoappetit», sagt Sabine Keller-Busse, Chefin des Schweiz-Geschäfts der Grossbank.
Erst führte die UBS die Kunden in kleinere Märkte über. Begonnen hat sie in Luxemburg, dann kam Asien an die Reihe. Zum Schluss dann die Kunden in der Schweiz. So konnte die Grossbank einen Ablauf entwickeln, den sie bei jeder Integrationswelle beibehalten hat. Diesen haben die Mitarbeiter der UBS immer und immer wieder trainiert. «Die Prozesse mussten bei unseren Mitarbeitern automatisch abrufbar werden, sie mussten quasi ins Muskelgedächtnis übergehen», sagt Bereaux.
War der Ablauf erst einmal etabliert, ging es um die Skalierung und darum, schwierigere Produkte und Bankbeziehungen zu migrieren. Begonnen haben die Mitarbeiter der Grossbank in der Schweiz etwa mit Konten mit einer Mietzinskaution. Diese sind weniger aufwendig, da darauf kaum Bewegungen stattfinden. Als Nächstes wurden Privatkonten dazugenommen, dann Hypotheken und Kreditkarten – bis hin zu grossen Firmenkunden.
Rund 17 000 solcher komplexer Bankbeziehungen wurden von Hand auf die Plattform der UBS übergeführt. Dazu zählen Pensionskassen, grosse Firmen und Family-Offices. Überraschend schwierig überzuführen waren Kreditkarten: Nicht nur mussten alle Transaktionen stimmen, PIN-Codes durften nicht verlorengehen, die UBS musste das Ganze auch noch mit Kartenanbietern wie Visa und Mastercard koordinieren.
Insgesamt fanden in der Schweiz sieben Migrationswellen statt, die von Mai 2025 bis zum vergangenen Wochenende dauerten. Ein Zyklus dauerte stets drei Wochen: Zuerst übertrug die Bank die bestehenden Daten der CS-Kunden ins System der UBS: Name, Adresse, Kontobeziehung. Dann wurden die Daten ausführlich getestet. Ernst wurde es im UBS-Gebäude in Altstetten jeweils am Freitag vor dem entscheidenden Wochenende um 14 Uhr. Ab dann wurden die Kontodaten direkt in das System der UBS übergeführt. Bei allfälligen Schwierigkeiten hätte die Grossbank ab diesem Zeitpunkt nur noch reparieren können. Den Prozess umzukehren war nicht mehr möglich.
Nun beginnt der Jobabbau
Obwohl die Kundenmigration abgeschlossen ist, muss die UBS immer noch zwei IT-Infrastrukturen betreiben. Das verursacht hohe Kosten. Bis sie die Systeme der CS abschalten kann, muss sie in den kommenden Monaten noch ein paar Aufräumarbeiten erledigen. Zum Beispiel, wenn jemand ein Konto bei der UBS und eines bei der CS hatte, können diese nun zusammengeführt werden. Erst dann kann die Grossbank damit beginnen, die Synergien aus der Übernahme zu realisieren.
Der erfolgreiche Abschluss der Migration der CS-Kunden ist ein Grosserfolg für die UBS. Ausgerechnet für diejenigen, die dafür gearbeitet haben, hat er jedoch einen bitteren Beigeschmack. Sie könnten demnächst ihren Job verlieren.
Mit dem Ende der CS-Integration wird es viele von ihnen nicht mehr brauchen. Schon früh im Prozess hat der Bankchef Sergio Ermotti angekündigt, dass es wegen der Integration zu 3000 Kündigungen kommen werde. Die Grossbank hat immer wieder betont, dass sie den Stellenabbau so verträglich wie möglich durchführen will. Für die betroffenen Mitarbeiter bestehe ein Sozialplan, sagt Keller-Busse.
Jetzt muss die Grossbank wieder wachsen
Mit dem Ende der Integration der Credit Suisse sind die Veränderungen auf dem Schweizer Finanzplatz längst nicht abgeschlossen. Die künstliche Intelligenz hält auch bei den Banken rasend schnell Einzug, dazu kommt der Kostendruck. Laut Branchenteilnehmern wird es in den nächsten zehn Jahren bei den Schweizer Banken mit Restrukturierungen weitergehen.
Auch die UBS hat sich ein ehrgeiziges Kostenziel gesetzt. In ihrem Schweiz-Geschäft will sie ihr Kosten-Einkommen-Verhältnis nach dem Ende der Integration auf unter 50 Prozent senken. Für das Jahr 2025 hat sie einen Wert von 61,2 Prozent ausgewiesen. Einen Teil der Kosten senken kann sie durch das Abschalten der CS-Infrastruktur. Doch jüngst ist die Grossbank in der Schweiz kaum mehr gewachsen. Schafft sie es nicht, etwa noch zusätzliches Potenzial in den Kantonen zu heben, wird sie nicht um weitere Einsparungen herumkommen.
Exklusiver Inhalt aus den Medien der NZZ. Entdecken Sie die Abonnemente für die «Neue Zürcher Zeitung» und die «NZZ am Sonntag» hier.