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Novartis-CEO Vas Narasimhan zieht in den Verwaltungsrat von Anthropic ein

Der Verwaltungsrat von Anthropic wird grösser: Novartis-CEO Vas Narasimhan stösst dazu. (Adobe Stock)

Novartis-CEO Vas Narasimhan zieht in den Verwaltungsrat von Anthropic ein

Wirtschaft

14.4.2026 | nzz.ch

Novartis-CEO Vas Narasimhan zieht in den Verwaltungsrat von Anthropic ein

Anthropic, die amerikanische Firma hinter dem Chatbot Claude, stärkt ihr Aufsichtsgremium. Mit dem neuen Mitglied Vas Narasimhan holt sie sich Know-how im Gesundheitsbereich. Der Börsengang könnte noch dieses Jahr folgen.

Anthropic hat Vas Narasimhan, den CEO des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, in den Verwaltungsrat berufen. Es handelt sich um den zweiten Neuzugang im Aufsichtsgremium der amerikanischen Technologiefirma innerhalb weniger Monate: Bereits im Februar stiess Chris Liddell, früherer Manager beim Softwareriesen Microsoft und beim Autohersteller General Motors, zum Gremium. Hintergrund der Verstärkung ist laut einem Bericht des «Wall Street Journal» ein möglicher Börsengang, der noch in diesem Jahr erfolgen könnte.

Parallel dazu richtet Anthropic seinen strategischen Fokus verstärkt auf den Gesundheitsbereich. Im Januar stellte das Unternehmen aus San Francisco neue Funktionen vor, die sich gezielt an Gesundheitsunternehmen und Versicherer richten. Zugleich wurden die Fähigkeiten des Chatbots Claude im Bereich der Medikamentenentwicklung ausgebaut, etwa zur Unterstützung klinischer Studien und regulatorischer Abläufe.

Streit mit der US-Regierung

Ende Februar war es zum offenen Streit zwischen der amerikanischen Regierung und Anthropic gekommen. Verteidigungsminister Pete Hegseth stufte die Firma als Lieferkettenrisiko ein. Vier Wochen später sistierte ein Gericht in San Francisco die Klassifizierung vorerst. Bis ein endgültiges Urteil vorliegt, könnte es noch Monate dauern.

Anthropic arbeitet im Gesundheitsbereich bereits mit Pharma- und Biotechunternehmen wie Eli Lilly, Novo Nordisk und Genmab zusammen. Ziel ist es, die Entwicklungszeiten neuer Medikamente zu verkürzen. «Künstliche Intelligenz beschleunigt Lösungen für einige der schwierigsten wissenschaftlichen Herausforderungen – von einem vertieften Verständnis der Krankheitsbiologie bis hin zur Entwicklung besserer Medikamente», sagte Narasimhan in einer Stellungnahme.

Narasimhan steht seit 2018 an der Spitze von Novartis. Der Amerikaner, der dieses Jahr 50 wird, hat den Pharmakonzern in den vergangenen Jahren auf Wachstum getrimmt. Ermöglicht wurde dies durch die Einführung einer Reihe umsatzträchtiger neuer Medikamente, die das Unternehmen zum Teil selbst entwickelt oder im Rahmen von Akquisitionen erworben hatte.

KI verspricht tiefere Kosten in der Arzneientwicklung

Allerdings steht Novartis angesichts deutlich gestiegener Kosten wie alle Arzneimittelhersteller vor der Herausforderung, die Entwicklung neuer Produkte zu beschleunigen. KI-Werkzeuge wie Claude versprechen, dabei eine zentrale Rolle zu spielen.

Anthropic entstand 2021. Die beiden Mitgründer, das Geschwisterpaar Dario und Daniela Amodei, hatten zuvor für den Konkurrenten Open AI gearbeitet. Sie gehören ebenfalls dem Verwaltungsrat an, der mit Narasimhan nun sieben Mitglieder umfassen wird.

Narasimhan verfügte bis anhin über kein Verwaltungsratsmandat bei einer Firma. In seiner Funktion als Novartis-Chef gehört er aber auch dem Aufsichtsgremium der Branchenorganisation Pharmaceutical Research and Manufacturers of America an. Zwischen 2023 und 2024 präsidierte er zudem das Gremium.

Der amerikanische Manager gilt vor allem in seiner Heimat als bestens vernetzt. Er ist auch gewähltes Mitglied der National Academy of Medicine und gehört dem Council on Foreign Relations an.

Hannah Jauch, Dominik Feldges, «Neue Zürcher Zeitung»

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