«Swiss made» ist der Swatch Group nicht nur bei den Uhren, sondern auch in der Führung wichtig. (Meizhi Lang auf Unsplash)
Wirtschaft
3.2.2026 | nzz.ch
Die Swatch Group gibt dem Druck eines Investors nach: Die Hayeks beginnen mit der Erneuerung des Verwaltungsrats
Ein aktivistischer Investor drängt auf Veränderungen im Verwaltungsrat der Swatch Group. Nun präsentiert der von der Familie Hayek kontrollierte Konzern mit Andreas Rickenbacher einen ersten Kandidaten. Weitere dürften folgen.
Die Swatch Group ist fest in der Hand der Familie Hayek. Nayla, Nick und Marc Hayek führen den Konzern als Verwaltungsratspräsidentin, CEO und Chef des Luxussegments. Gemeinsam mit Vertrauten kontrollieren sie 44 Prozent der Stimmrechte.
Doch die Familie gerät unter Druck: Schwache Geschäftszahlen und Forderungen nach einer Erneuerung des Verwaltungsrats (VR) sorgen für Unruhe unter den Aktionären.
Nun reagieren die Hayeks. Am Dienstagmorgen gab die Swatch Group bekannt, Andreas Rickenbacher als neues VR-Mitglied vorzuschlagen. Die Wahl soll an der Generalversammlung (GV) am 12. Mai 2026 stattfinden.
Ex-Politiker und Multi-Verwaltungsrat
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Andreas Rickenbacher.PD
Andreas Rickenbacher, ehemaliger Berner Regierungsrat (2006–2016), war zuvor Unternehmer und Berater. Nach seinem Rückzug aus der Politik engagiert er sich wieder unternehmerisch und sitzt in mehreren Verwaltungsräten. Der 58-Jährige leitet die Stiftung Switzerland Innovation und präsidiert das Forschungszentrum CSEM. Zudem ist er Präsident der Suva, Vizepräsident des Verwaltungsrats der BKW AG und Verwaltungsrat der in den USA börsennotierten Aebi-Schmidt-Gruppe.
Die Swatch Group lobt Rickenbacher als Kenner der Schweizer Industrie. Die Hayeks legen Wert darauf, dass Verwaltungsräte aus der Schweiz stammen und mit den lokalen Gegebenheiten vertraut sind.
Rickenbacher betont gegenüber der NZZ, dass ihm die Verbindung von Industrie und Innovation besonders wichtig sei. Angesichts des starken Frankens stehe die Schweizer Industrie unter Druck. Ohne Innovation drohe der Wohlstand zu schwinden. Auf die Frage, ob er mit seinen bisherigen Mandaten nicht schon ausgelastet sei, antwortet er, dass einige davon mittelfristig auslaufen könnten.
Kritische Aktionäre mögen sich fragen, ob ein Schweizer mit Bieler Wurzeln im von den Hayeks dominierten Verwaltungsrat Gehör findet. In Biel ist auch der Hauptsitz der Swatch Group. Rickenbacher verweist auf seine Erfahrung in Grossfirmen und seine Kenntnisse der Corporate-Governance-Anforderungen.
Zur letzten GV der Swatch Group äussert er sich nicht näher. Obwohl er selbst Aktionär sei, habe er nicht teilgenommen, auch weil die Versammlung rein virtuell durchgeführt worden sei. Ob er sich künftig für physische Generalversammlungen einsetzen wird, lässt er offen.
Taktik, um Druck aufzubauen
An der Generalversammlung 2025 gerieten die Hayeks in Bedrängnis. Der aktivistische US-Investor Steven Wood kandidierte für einen Sitz im Verwaltungsrat als Vertreter der Inhaberaktionäre, setzte sich jedoch nicht durch. Die Ausgestaltung des Wahlverfahrens wurde damals heftig kritisiert: So fehlte ein separates Traktandum für die Wahl eines Vertreters der Inhaberaktionäre. Woods Kandidatur wurde in die allgemeine Verwaltungsratswahl eingebettet.
Doch Wood bleibt hartnäckig. Für die nächste GV fordert er eine stärkere Vertretung der Inhaberaktionäre im Verwaltungsrat. Diese haben im Vergleich zur Familie Hayek, die den Konzern über ihre Namenaktien kontrolliert, deutlich weniger Einfluss.
Zudem verlangt er, dass die Mehrheit des Gremiums unabhängig ist – weder dem Hayek-Pool angehört noch operativ tätig ist oder länger als zwölf Jahre im Amt bleibt.
Mit der Strategie, seine Forderungen frühzeitig öffentlich zu machen, erhöht Wood den Druck auf die Führung der Swatch Group. Die Aktionäre wissen nun, was zur Diskussion steht. Viele von ihnen sind mit der Unternehmensführung unzufrieden: Dies zeigt die geringe Zustimmung von 55,7 Prozent zur Entlastung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung bei der letzten GV.
Speziell die Inhaberaktionäre haben nun dieses Jahr auch genügend Zeit, um sicherzustellen, dass sie an der nächsten GV tatsächlich abstimmen können. Für sie ist der organisatorische Aufwand vergleichsweise hoch. Da ihre Aktien nicht namentlich registriert sind, müssen sie die Stimmunterlagen in der Regel über ihre Depotbank beziehen und der Gesellschaft einen Nachweis vorlegen, dass die Aktien für die Dauer der Generalversammlung gesperrt sind.
Bei rein virtuellen Versammlungen, wie sie die Swatch Group seit der Pandemie durchführt, ist dies besonders umständlich, weil solche Formalitäten nicht vor Ort erledigt werden können. Oft wird dieser Aufwand gescheut – mit dem Resultat, dass nur wenige Inhaberaktionäre von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen.
Woods Vorgehen hat jedoch auch Vorteile für die Swatch Group. Der VR kann seine Anträge unverändert traktandieren oder eigene Vorschläge einbringen – und so die Erneuerung selbst steuern. Genau das tut er nun.
Ein Schritt in die richtige Richtung
Die Wahl Rickenbachers, der als achtes Mitglied in den Verwaltungsrat einziehen soll, wäre ein Schritt in die von Wood geforderte Richtung. Damit wären die vier Vertreter des Hayek-Pools und von nahestehenden Aktionären (Nayla, Nick und Marc Hayek sowie Daniela Aeschlimann) nicht mehr in der Mehrheit. Ihnen stünden dann ebenso viele unabhängige Mitglieder gegenüber: Ernst Tanner (Lindt & Sprüngli), der Astronaut Claude Nicollier, der Ex-Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth – und Rickenbacher.
Woods Forderungen wären allerdings noch nicht erfüllt. Die drei unabhängigen Mitglieder sitzen seit über zwölf Jahren im Gremium. Um den Ansprüchen des Investors zu entsprechen, müssten in den kommenden Wochen weitere Vorschläge für Veränderungen im Verwaltungsrat folgen. Dies ist denkbar, zumal alle drei unabhängigen Verwaltungsräte heuer 80-jährig oder älter werden.
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