Die UBS ist daran, alle ehemaligen CS-Kunden auf ihre Plattform überzuführen. Nicht alle sind in der neuen Bankenwelt glücklich. (Adobe Stock)
Wirtschaft
3.2.2026 | nzz.ch
Das Geschäft der UBS brummt, trotz teurer CS-Integration – ihre grössten Probleme hat die Grossbank in der Heimat
Die Schweiz sorgte lange für Stabilität bei der UBS. In letzter Zeit stagnierte das Geschäft aber. Mittelgrosse Firmen vermissen die Credit Suisse.
Beziehungsstatus der UBS und der Schweiz: Es ist kompliziert. Der Bankchef Sergio Ermotti wird zwar nicht müde zu versichern, dass die UBS eine Schweizer Bank sein wolle. Doch der Streit um das Kapital der Bank und die Gerüchte um einen möglichen Wegzug strapazieren das Verhältnis. Vor allem das grosse Auslandgeschäft der UBS bereitet Bern Sorgen.
Dabei geht schnell vergessen, dass die Schweiz als Markt fast genauso wichtig für die Bank ist wie das Ausland. Das von Sabine Keller-Busse geleitete Personal and Corporate Banking ist nach dem Wealth-Management der zweitgrösste Bereich. Lange war das Schweiz-Geschäft ein Stabilitätsanker, der die schwankenden Erträge etwa aus dem Investment Banking ausgleicht.
Doch seit einiger Zeit stagniert das Geschäft in der Heimat. Im dritten Quartal gingen Erträge und Gewinn im Jahresvergleich zurück. Die Bank zog auch weniger Kundenvermögen an. Das Problem: Zum einen kostet die Einverleibung der Credit Suisse viel Geld. Zum anderen stehe das Schweizer Geschäft von allen Bereichen der UBS wegen der sehr tiefen Zinsen am stärksten unter Druck, sagt Andreas Venditti, Analyst bei Vontobel.
Tiefe Zinsen führen zu einer schrumpfenden Zinsmarge. Banken verdienen dadurch weniger auf ihren Ausleihungen. Die Integration der CS dürfte die UBS im Schlussquartal zusätzlich eine Milliarde Franken kosten. Trotzdem gehen Beobachter davon aus, dass es der UBS global gesehen gut läuft. Sie schätzen, dass die Bank im Schlussquartal fast 2,5 Milliarden Dollar Gewinn (vor Steuern) erwirtschaftet hat.
Anreiz, um die Bank zu wechseln?
Wesentlich ist dabei, dass die Migration der CS-Kunden auf die UBS-Plattform offenbar weitgehend störungsfrei abläuft, auch in der Schweiz. Beim Konsumentenschutz heisst es auf Anfrage, dass in diesem Zusammenhang «nur vereinzelt» Meldungen eingegangen seien, etwa zu Störungen im E-Banking oder zu falsch migrierten Bankkonten. Auch beim Bankenombudsmann ist es bislang «erstaunlich ruhig» geblieben.
Das Schweizer Geschäft dürfte sich operativ indes wieder verbessern, glaubt Venditti. Der Bankexperte geht davon aus, dass der Vorsteuergewinn im Schlussquartal wieder deutlich höher ausfällt. Dabei hilft der UBS, dass sie in Dollar berichtet. Dieser hat gegenüber dem Franken jüngst stark verloren, was auch die Zahlen des Schweizer Geschäfts besser aussehen lässt.
Dennoch ist bemerkenswert, dass die UBS trotz teurer Integration ihre Profitabilität bewahrt. Denn die Überführung der ehemaligen CS-Kunden in die UBS-Welt ist auch ein kommerzielles Risiko. Die meisten Schweizer Privatkunden sind bereits migriert. Für vermögendere Wealth-Management-Kunden ist der Prozess noch im Gang. Sie werden in den kommenden Wochen auf die UBS-Plattform übergeführt.
Für sie ändert sich damit das Kundenerlebnis: Ein neues E-Banking oder eine veränderte Gebührenstruktur könnten Anreize sein, um sich nach Alternativen umzuschauen, sagt Venditti. Das Risiko bestehe, dass es zu Kundenabgängen komme. Die UBS steht in dem Ruf, ihren «Blueprint» bei allen Produkten und Dienstleistungen durchzuziehen. Die Bank nimmt dadurch in Kauf, ehemalige CS-Kunden zu verprellen.
Zurechtkommen in der UBS-Welt
Anekdotisch ist denn auch Unbehagen bei gewissen Kundengruppen nach der Überführung zu vernehmen. Aus Unternehmerkreisen etwa ist zu hören, dass ehemalige Angebote der CS im Bereich «Entrepreneurs and Executives», die Unternehmer und Manager betreuen, vermisst werden. Die UBS habe zwar ein entsprechendes Angebot, doch offenbar entspricht es nicht immer den Bedürfnissen dieser Klientel.
Die UBS schreibt hingegen auf Anfrage, dass es sich um ein wichtiges Kundensegment handle. Man erhalte «sehr positives Feedback von Unternehmern und Unternehmerinnen wie auch von den Executives». Insbesondere weil die Bank ihr Angebot aus den Bereichen Wealth-Management, Firmenkundengeschäft und Investment-Bank speise.
Dass ausgerechnet dieses Zusammenspiel funktioniert, war lange umstritten. Derzeit wittern deshalb auch kleinere Banken eine Chance und entwickeln eigene Angebote, um diese attraktive Kundengruppe für sich zu gewinnen.
Auch für vermögende Privatkunden bedeutet der Wechsel zur UBS eine Umstellung. Ein ehemaliger Private-Banking-Kunde der CS erzählt, dass er Rabatte, die er bei der kriselnden CS erhalten habe, bei der UBS grösstenteils wieder habe abgeben müssen. Die UBS steht für ein einheitliches Preismodell ein, für alle soll die gleiche Tarifstruktur gelten. Bei der CS hatten Kundenberater mehr Spielraum bei der Preisgestaltung.
Für weniger vermögende «Affluent»-Kunden, die bei der CS teilweise im Private Banking betreut wurden, könnte sich das Erlebnis ebenfalls verändern. Bei der UBS ist die Schwelle zur individuellen Betreuung um einiges höher angesetzt. Viele ehemalige CS-Kunden dürften bei der UBS gewöhnliche Kleinkunden sein. Die CS war traditionell stärker auf das Affluent-Segment ausgerichtet, die UBS betreute im Wealth-Management traditionell eher reichere Personen und Family-Offices.
UBS kann Konditionen diktieren
Die grösste Veränderung dürften indes Firmenkunden erfahren. Zwar soll es gemäss einer Studie von BAK Economics bei Bankdienstleistungen keine «flächendeckenden Probleme infolge des Wegfalls der CS» geben. Doch gemäss der Umfrage gibt es Defizite bei grösseren Firmenkrediten, Konsortialfinanzierungen und im Franken-Emissionsgeschäft. Die Hauptkritik betrifft Verfügbarkeit und Preis. Besonders mittelgrosse, international tätige Unternehmen beklagen Missstände. Der Risikoappetit vieler Banken sei jüngst zurückgegangen.
Der Finanzchef eines international tätigen KMU bestätigt, dass der Wettbewerb «eindimensionaler» und weniger kompetitiv geworden sei. Der Appetit für «spezielle Finanzierungslösungen» sei gering. Darunter litten besonders mittelgrosse Firmen mit einem Umsatz zwischen 25 und 100 Millionen Franken. Die UBS mache ihre Sache zwar gut, doch sie könne die Konditionen diktieren. Ein Herausforderer wie die CS fehle, Kantonalbanken und Raiffeisen sprängen nicht in die Bresche.
Der Analyst Venditti gibt zu bedenken, dass die Banken ihre Kredite teilweise hätten verteuern müssen, weil sie mitunter deutlich strengere Liquiditätsvorgaben erfüllen müssten, was ihre Refinanzierungskosten erhöhe. Seit der CS-Übernahme stellt er einen Rückgang der Kreditvolumen um 3 Prozent fest. Der Tiefpunkt sei Ende 2024 erreicht worden. Seither seien die Volumen wieder etwas gestiegen.
Erschwerend kommt hinzu, dass UBS und CS bei Firmenkunden andere Strategien haben. Die CS sah sich als «Bank für Unternehmer», die durch günstige Kredite Beziehungen zu einer Firma aufnimmt, um dann die privaten Vermögen der Unternehmer nachzuziehen. Dieses Modell ging in der CS-Krise nicht mehr auf, weil viele ihre Privatvermögen abzogen.
Nach der Übernahme waren für die UBS gewisse Kreditbeziehungen der CS weder profitabel noch aus Risikosicht sinnvoll. Die UBS nahm deshalb eine Bereinigung vor. Das hat nun auch für Mitbewerber, vor allem ausländische Banken, Chancen eröffnet, um die Situation auszunutzen und bei diesen Firmenkunden Marktanteile zu gewinnen.
Exklusiver Inhalt aus den Medien der NZZ. Entdecken Sie die Abonnemente für die «Neue Zürcher Zeitung» und die «NZZ am Sonntag» hier.