Chips gegen Anteile: Der Chipentwickler AMD macht langfristige Deals mit den grossen Techfirmen. (Adobe Stock)
Technologie
25.2.2026 | nzz.ch
Wird Nvidia bald abgehängt? Meta investiert 100 Milliarden Dollar in AMD und will ausserdem eigene KI-Chips bauen
Längst hat sich der Wettlauf um KI von der Software auf die Hardware ausgeweitet. Neben Meta bauen auch Google und Amazon Alternativen zu Nvidia-Chips.
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Chips gegen Anteile: Der Chipentwickler AMD macht langfristige Deals mit den grossen Techfirmen.Nurphoto/Getty
Nach den Talenten kommen die Chips: Vor einem Jahr warb Mark Zuckerberg noch mit Millionen von Dollars die besten KI-Forscher ab, damit sie für ihn eine Superintelligenz, eine Art übermenschliches KI-Modell, entwickeln. Zudem hat er Unsummen in Rechenzentren investiert – im vergangenen Jahr waren es 72 Milliarden Dollar. Nun gibt Zuckerberg gemäss dem «Wall Street Journal» wieder 100 Milliarden Dollar aus. Für Computerchips. Und zwar vom Chipdesigner AMD.
Meta und Google wollen sich unabhängig von Nvidia machen
Am Dienstag verkündeten die beiden Tech-Unternehmen, dass Meta in den kommenden fünf Jahren für insgesamt 6 Gigawatt Rechenleistung Prozessoren von AMD beziehen wird. Die ersten davon in der zweiten Hälfte dieses Jahres. Im Gegenzug erhält Meta die Möglichkeit, praktisch kostenlos 160 Millionen Aktien von AMD zu kaufen, falls gewisse Ziele erreicht werden. Dadurch würden Meta 10 Prozent des Chipentwicklers AMD gehören.
Die Chips von AMD sollen im Gegensatz zu den Hochleistungschips von Nvidia für spezifische Anwendungen nutzbar und dadurch effizienter sein. Der Konzern Meta will sie konkret auf seine Prozesse zuschneiden.
Zuckerberg begründet das Geschäft mit AMD damit, Meta unabhängiger zu machen. In der Bekanntgabe des Geschäfts wird er so zitiert: «Das ist ein wichtiger Schritt für Meta, da wir unsere Rechenkapazitäten diversifizieren.»
Zuckerberg ist damit nicht allein. Die grossen Techfirmen wie etwa Google oder Amazon wollen sich unabhängiger vom Chipentwickler Nvidia machen, der bis jetzt das Geschäft mit den KI-Chips dominiert. So verkündete auch Open AI im Oktober, insgesamt für 6 Gigawatt an Rechenleistung Chips von AMD zu beziehen. Im Gegenzug erhält Open AI Anteile an AMD. Es handelt sich also um einen ähnlichen Deal wie jenen zwischen AMD und Meta.
Die Techkonzerne wollen auch eigene Chips produzieren, um unabhängiger von Nvidia zu werden, und erhoffen sich dadurch, ihre hohen Infrastrukturkosten zu senken.
Google arbeitet seit 2016 an eigenen KI-Chips
Meta startete bereits vor drei Jahren damit, eigene Chips für KI zu entwickeln. Meta Training and Inference Accelerator (MTIA) nennt sich das Projekt. Meta gibt an, die Chips in seinen Produkten bereits für Anzeigen sowie Rankings- und Empfehlungs-Algorithmen zu nutzen.
Google hat bereits 2016 angefangen, einen KI-Chip zu bauen. Mittlerweile setzt Google diesen Chip für sein KI-Modell Gemini ein und benutzt ihn auch für die Google-Suche, Google-Fotos oder Google-Maps. Er ist im Gegensatz zu den Hochleistungschips von Nvidia, die ursprünglich für Computergrafiken entwickelt wurden, speziell auf KI ausgerichtet.
Auch der Hardware-Hersteller Apple, der im KI-Wettbewerb bis jetzt eher eine vorsichtige Beobachterrolle einnimmt, ist im Geschäft mit den Computerchips aktiv. Im vergangenen Jahr versprach der Apple-CEO Tim Cook dem US-Präsidenten Donald Trump, im Zusammenhang mit ihrer Produktion innert vier Jahren insgesamt 600 Milliarden Dollar innerhalb der USA zu investieren. Am Dienstag gab die Firma bekannt, sie habe seit dem Versprechen mehr als 20 Milliarden in den USA hergestellte Chips aus 24 Fabriken in 12 Gliedstaaten bezogen, darunter auch von Partnern wie TSMC, Broadcom und Texas Instruments.
Für den Chipentwickler AMD ist der Deal mit Meta ein weiterer auf seinem Weg, Nvidia beim Bereitstellen von KI-Chips herauszufordern. Jean Hu, der Finanzchef von AMD, schreibt in der Mitteilung: Man gehe davon aus, dass die Partnerschaft mit Meta zu einem «erheblichen mehrjährigen Umsatzwachstum führen» und den bereinigten Gewinn pro Aktie steigern werde. Bei den Aktionären kommt das gut an: Der Aktienkurs von AMD ist nach der Ankündigung um rund 14 Prozent gestiegen.
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