Für Microsoft-Chef Satya Nadella ist wichtig, dass KI-Anwendungen auch ausserhalb der Tech-Industrie breiten Nutzen stiften. (Adobe Stock)
Technologie
29.1.2026 | nzz.ch
Meta und Microsoft investieren Unsummen, um ihre KI-Dienstleistungen an die Massen zu bringen – doch eine Firma enttäuscht die Anleger
Die amerikanischen Tech-Riesen haben an der Börse in letzter Zeit für weniger Aufsehen gesorgt. Zweifel, ob sich die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur je rechnen werden, konnten Meta und Microsoft auch an diesem Mittwoch nicht ganz zerstreuen.
Am amerikanischen Aktienmarkt ist es in den vergangenen Monaten ruhiger geworden um die «Magnificent Seven», die sieben grössten Tech-Unternehmen, welche die USA in Zukunftstechnologien voranbringen sollen und lange als Börsenlieblinge galten. Die Firmen hatten die Anleger zwar nicht vollends enttäuscht. Aber nachdem sie das Geschehen an der Börse lange dominiert hatten, schienen die Marktbeobachter in anderen Sektoren mehr Potenzial zu sehen. Die «übrigen 493 Unternehmen» im amerikanischen Leitindex S&P 500 wurden plötzlich heisser gehandelt als die sieben vormaligen Überflieger.
Die «Mag Seven» erhalten in diesen Tagen aber die Gelegenheit, die Anleger wieder von sich zu überzeugen. Und den Beweis zu erbringen, dass der rasante Ausbau der KI-Wirtschaft, den sie vorantreiben, tatsächlich grosse Gewinne verspricht.
Noch mehr Investitionen
Den Anfang machten am Mittwochabend Meta, Microsoft und Tesla – wobei der Elektroautobauer, der die Gewinnerwartungen der Analysten übertraf, als Fall für sich betrachtet werden muss.
Der Geschäftsgang von Meta, dem gigantischen Werbe- und Tech-Konzern hinter Facebook, Whatsapp und Instagram, bietet schon mehr Aufschluss darüber, wie die KI-Revolution in Amerikas Wirtschaft vorankommt. In den vergangenen drei Jahren hat sich das Unternehmen von Mark Zuckerberg schrittweise als KI-Konzern neu erfunden und dabei die einstige Ambition des Firmenchefs, das Metaverse zum digitalen Treffpunkt der Welt zu machen, still begraben.
Meta nutzte seither die Erträge aus dem hervorragend laufenden Werbegeschäft, um immense Investitionen in KI-Rechenzentren sowie entsprechende Fachkräfte zu tätigen. Die Kernfrage, ob diese Rechnung aufgehen und Meta bald auch mit KI-Applikationen Milliarden verdienen wird, konnte Zuckerberg auch an diesem Mittwoch noch nicht beantworten. Der Firmenchef versprach den Analysten, die sich an Metas Telefonkonferenz zum Quartalsergebnis einschalteten, konkretere Antworten für die nächsten Quartale.
An der Börse wurde aber erfreut zur Kenntnis genommen, dass die Werbemilliarden bei Facebook weiterhin fliessen. Der Umsatz soll sich im laufenden Quartal auf 53,5 bis 56,5 Milliarden Dollar erhöhen; diese Prognose liegt deutlich über der jüngsten Schätzung der Analysten (51 Milliarden). Meta wird es sich also weiterhin leisten können, viel Geld in seine Rechenzentren zu investieren.
Und genau das will Zuckerberg auch tun. Meta hat für das laufende Jahr 115 bis 135 Milliarden Dollar an Kapitalaufwand angekündigt; auch das deutlich mehr als die knapp 111 Milliarden, die Analysten gemäss der Nachrichtenagentur Bloomberg erwartet hatten. Die Investoren lassen sich davon nicht abschrecken. Im nachbörslichen Handel legte die Meta-Aktie zeitweise um mehr als 10 Prozent zu.
Meta machte indes auch auf Auseinandersetzungen mit Regulatoren in Europa und den USA aufmerksam, die den Erfolg im Werbemarkt beeinträchtigen könnten, etwa höhere Auflagen für den Jugendschutz. Für Meta ist zudem sehr relevant, wie der Streit der Trump-Regierung mit Europa, unter anderem in Bezug auf dessen restriktivere Digitalgesetzgebung, ausgehen wird.
Im vergangenen Quartal hat der Konzern fast ein Viertel seines Gesamtumsatzes von 60 Milliarden Dollar in Europa erzielt. Das zeigt auch: Falls Brüssel im Handelsstreit mit Trump doch einmal zurückschlagen will, bleiben die grossen Tech-Konzerne ein naheliegendes Ziel.
Microsoft enttäuscht die Anleger
Weniger zufrieden zeigen sich die Investoren mit den Quartalszahlen von Microsoft – die Aktie des Konzerns aus Redmond gab nachbörslich um 5 Prozent nach, weil das Geschäft mit Cloud-Dienstleistungen zwar rasch, aber doch nicht so schnell wie erhofft gewachsen ist. Auch die Einnahmen aus dem Computerspiel-Segment erfüllten im Weihnachtsquartal offenbar nicht ganz die Erwartungen.
Microsoft, im Kern noch immer der grösste Software-Hersteller der Welt, integriert immer mehr KI-Applikationen in seine Produkte. Aber es fällt ihm schwer, genug Rechenleistung ans Netz zu bringen, um das Wachstumstempo aufrechtzuerhalten. Daher kennt auch Microsoft in Bezug auf seine weiteren KI-Ausbaupläne nur eine Richtung: vorwärts. Das Unternehmen hat im abgelaufenen Quartal 37,5 Milliarden Dollar an Investitionsausgaben getätigt – satte 66 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Investoren bleiben aber skeptisch, ob es Microsoft gelingen wird, genug zahlende Nutzer zu finden, um diese enormen Ausgaben jemals wieder einzuspielen. Der Unternehmenschef Satya Nadella hat jüngst denn auch mehrfach betont, wie wichtig es sei, dass KI für positive Veränderungen in der «realen Welt» sorge.
Meta top, Microsoft eher ein Flop, und Tesla bleibt ein Fall für sich: Anhand der bisherigen Quartalsergebnisse der «Magnificent Seven» lässt sich noch nicht abschätzen, ob die amerikanische Tech-Industrie ihre Rekordjagd an der Börse bald wieder aufnehmen wird.
Die nächsten Datenpunkte treffen bald ein. Am Donnerstag stellt der iPhone-Hersteller Apple seine Zahlen vor, in der kommenden Woche folgen die beiden weiteren Cloud-Hyperscaler Amazon und Alphabet, die ebenfalls sehr viel Geld in KI-Rechenzentren investieren. Je nachdem werden die Anleger die Resultate von Microsoft danach in einem anderen Licht sehen. Der Computerchip-Hersteller Nvidia wird den Resultate-Reigen der Gruppe, wie üblich mit einiger Verspätung, am 25. Februar abschliessen.
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