Wikipedia ist eine der beliebtesten Websites der Welt. (Adobe Stock)
Technologie
15.1.2026 | nzz.ch
Wikipedia wird 25: Die Enzyklopädie mag nicht perfekt sein – aber ein grosser Gewinn für die Welt ist sie trotzdem
Heute hat die Plattform stärker mit fehlerhaften und voreingenommenen Beiträgen zu kämpfen. Es ist begrüssenswert, dass Wikipedia damit transparent umgeht. Im Umgang mit Wikipedia ist allerdings genauso viel Vorsicht geboten wie mit allen anderen Informationen im Netz.
Die Wikipedia feiert dieser Tage ihren 25. Geburtstag. Damals, am 15. Januar 2001, hatten ein paar Freiwillige die Idee, das Wissen der Welt im Internet zu sammeln und für alle Menschen frei zugänglich zu machen. Das Projekt schien verwegen, ja grössenwahnsinnig.
Heute ist die Wikipedia aus dem Internet nicht mehr wegzudenken. Über 125 Millionen Menschen besuchen die Plattform jeden Tag auf der Suche nach Informationen über alles Mögliche. Sie finden dort Beiträge in 342 Sprachen. Wer Deutsch spricht, hat die Wahl aus über drei Millionen Artikeln. Von A wie Abkantwerkzeug bis Z wie Zwanzigeck. Wollte er alle Artikel lesen, müsste er 82 Jahre lang jeden Tag hundert Artikel lesen. Und währenddessen kommen täglich neue Beiträge zur Enzyklopädie dazu.
Geschrieben und auf Fehler überprüft werden die Artikel von Freiwilligen, sogenannten Wikipedianern. Sie geloben, bei jedem Thema einen neutralen Standpunkt einzunehmen. Und die Mehrheit der Einträge wird diesem Anspruch wohl ziemlich gut gerecht – vor allem dann, wenn sie nicht von einem hochpolitischen Thema handeln.
Wikipedia ist zum Teil voreingenommen und fehlerbehaftet
Sobald Dinge aber politischer, aktueller werden, beginnen die Probleme der Plattform. Wikipedia wird schon lange vorgeworfen, bei gewissen Themen voreingenommen zu sein. Und immer wieder scheint diese Kritik berechtigt. Rechte Politiker werden beispielsweise gemäss der Erhebung einer konservativen Denkfabrik in der Tendenz negativer dargestellt als linke.
Gleichzeitig finden sich in Beiträgen zu sehr unumstrittenen Themen immer wieder offensichtliche Fehler. Vor wenigen Monaten fanden Journalisten der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» heraus, dass in Hunderten Wikipedia-Beiträgen falsche oder veraltete Informationen standen. Auch das ist ein ernstzunehmendes Problem.
Immerhin spricht für Wikipedia, dass die Plattform transparent auf solche Kritik reagiert. Als Reaktion auf den «FAS»-Artikel erstellten Wikipedianer eine Liste der fehlerhaften Beiträge und riefen dazu auf, diese zu korrigieren. Auch der Vorwurf, die Plattform habe eine ideologische Schlagseite, wird in einem eigenen Wikipedia-Eintrag ausführlich thematisiert.
Ganz allgemein ist die Transparenz der Plattform begrüssenswert: Vor einem Jahr machte Elon Musk eine Geste, die einige Wikipedianer als Hitlergruss interpretierten. Leser konnten mitverfolgen, wie die Wikipedia-Community die Bedeutung von Musks Armbewegung diskutierte. Mittlerweile gibt es zu Musks Geste einen separaten Eintrag, der die Armbewegung nüchtern beschreibt und danach die verschiedenen Reaktionen auf die Geste aufführt.
Wikipedia, bloss eine Website wie jede andere?
Das Beispiel von Musk beschreibt wahrscheinlich eher den Idealfall als die Regel. Und die teilweise politische Färbung sowie die Faktenfehler sind zweifellos ärgerlich für eine Plattform, die möglichst neutral den gegenwärtigen Wissensstand zu einem Thema präsentieren will.
Das zeigt: Wikipedia, dieses ambitionierte Freiwilligenprojekt, ist in gewisser Weise einfach eine Website wie jede andere. Wer sie nutzt, sollte das mit Bedacht tun und die Quellen der Einträge selbst überprüfen. Die Plattform selbst empfiehlt das schon lange. Die Nutzer sollten es sich ebenfalls wieder vergegenwärtigen.
Aber gleichzeitig bildet die Wikipedia eben doch eine schöne Ausnahme: Sie stellt der ganzen Welt einen immensen Wissensschatz gratis zur Verfügung. Und wer sich an einem einseitigen Artikel stört, kann sich jederzeit einbringen. Wer einen Fehler sieht, kann diesen eigenhändig umgehend korrigieren. Jeder, der will, kann an der Plattform mitwirken.
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