Mit einer guten Pensionskasse lässt sich der Ruhestand unbeschwerter geniessen. (Adobe Stock)
Finanzen
13.5.2026 | nzz.ch
Die finanzielle Lage der Schweizer Pensionskassen hat sich weiter verbessert – doch die Angst vor härteren Zeiten bremst die Euphorie
Die geopolitischen Entwicklungen haben bisher wenig Spuren in den Anlagevermögen der Vorsorgeeinrichtungen hinterlassen. Im Fokus steht derweil der wenig bekannte Bereich der Sammeleinrichtungen, der immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Die geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten konnten den Schweizer Pensionskassen bisher wenig anhaben. Nach drei guten Geldanlagejahren haben die Vorsorgeeinrichtungen per Ende 2025 ihre Deckungsgrade deutlich verbessert und Polster für härtere Zeiten angelegt.
Der Iran-Krieg und die Turbulenzen an den Energiemärkten haben zwar zu stärkeren Marktschwankungen geführt – laut der zur Zürcher Kantonalbank (ZKB) gehörenden Anlagegesellschaft Swisscanto haben die Pensionskassen aber auch in diesem Jahr per Ende April eine Rendite auf ihren Vermögensanlagen von im Durchschnitt 1,8 Prozent erzielt.
Im gesamten vergangenen Jahr hätten die Kassen indessen eine durchschnittliche Nettorendite von 6,1 Prozent erreicht, teilte die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge am Dienstag mit. Die Aktienmärkte hätten erneut positive Ergebnisse erzielt, während sich die Anleihenmärkte weitgehend stabil gezeigt hätten, heisst es in ihrem Bericht. Dieser basiert auf Daten von 1257 Schweizer Vorsorgeeinrichtungen mit einer Bilanzsumme von mehr als 1300 Milliarden Franken.
Hohe Verzinsung der Guthaben
Die starke Performance der Vermögensanlagen der Kassen schlug sich derweil in einer attraktiven Verzinsung für die aktiven Versicherten nieder: Im Durchschnitt verzinsten die Pensionskassen deren Altersguthaben im vergangenen Jahr mit 4,33 Prozent. Bei einem Guthaben von einer halben Million Franken entspricht dies immerhin einer Summe von 21 650 Franken.
Auch bei den Deckungsgraden war eine positive Entwicklung zu beobachten. Per Ende vergangenen Jahres stiegen diese bei den Kassen ohne Staatsgarantie auf im Durchschnitt 117,1 Prozent und lagen damit um 2,4 Prozentpunkte höher als zu Ende des Vorjahres. Die Kennzahl Deckungsgrad gibt Auskunft darüber, wie die Verpflichtungen einer Pensionskasse durch ihre Vermögen gedeckt sind. Bei einem Deckungsgrad von 100 Prozent ist dies der Fall.
Damit eine Pensionskasse auf Verluste bei den Vermögensanlagen vorbereitet ist, ist es indessen besser, wenn der Deckungsgrad höher liegt. Die Pensionskassen legen für solche Eventualitäten auch finanzielle Polster – sogenannte Wertschwankungsreserven – an. Diese haben sie im vergangenen Jahr ebenfalls weiter ausgebaut.
Positiv zu sehen ist ausserdem, dass die Zahl der Pensionskassen in Unterdeckung – also mit einem Deckungsgrad von unter 100 Prozent – stark zurückgegangen ist. Ende vergangenen Jahres befanden sich noch 12 Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie mit einem Vorsorgekapital von insgesamt 0,5 Milliarden Franken in Unterdeckung.
Positiv zu werten ist zudem, dass die Pensionskassen das langjährige Dauerthema der Umverteilung von aktiven Versicherten hin zu Rentnern in den Griff bekommen haben. In den letzten fünf Jahren hätten Schätzungen keine signifikante Umverteilung mehr gezeigt, heisst es weiter. «Die berufliche Vorsorge hat sich an den demografischen Wandel angepasst», sagte Vera Kupper Staub, Präsidentin der Oberaufsichtskommission, dazu.
Dies liegt vor allem auch daran, dass viele Pensionskassen ihre Umwandlungssätze deutlich gesenkt haben. Für Pensionierungen in fünf Jahren sähen Pensionskassen ohne Staatsgarantie per 2025 derzeit einen durchschnittlichen Umwandlungssatz von 5,17 Prozent für das Alter 65 vor, teilte die Behörde mit.
Mit dem Umwandlungssatz wird bei der Pensionierung eines Versicherten dessen lebenslange Rente errechnet. Beträgt das Guthaben in der Pensionskasse beispielsweise 700 000 Franken und liegt der Umwandlungssatz bei 5,17 Prozent, erhält der Versicherte eine Rente von 36 190 Franken pro Jahr.
Aktien als wichtigste Anlageklasse
Aber es bleiben einige Herausforderungen. Dazu zählt zunächst einmal die volatile Lage an den Finanzmärkten. Laut dem Bericht sind Aktien mit einem durchschnittlichen Anteil von 32,9 Prozent an den Vermögensanlagen die wichtigste Anlageklasse der Pensionskassen. Einen Crash an den Aktienmärkten würden sie folglich deutlich zu spüren bekommen. Des Weiteren liegen 32 Prozent ihrer Gelder in Anleihen und Hypotheken – in Zeiten von Nullzinsen sind hier keine grossen Erträge zu erwarten. Die Gelder der Pensionskassen sind zudem zu 22,3 Prozent in Immobilien und 6,9 Prozent in alternative Anlagen wie Hedge-Funds und Private Equity investiert.
Die Mehrheit der Pensionskassen dürfte indessen dank verbesserten Wertschwankungsreserven derzeit widerstandsfähig genug sein, um auch schwierigere Marktphasen zu bewältigen, teilten Vertreter der Oberaufsichtskommission mit.
Sammeleinrichtungen immer wichtiger
Die Oberaufsicht hält zudem weiterhin ein wachsames Auge auf den Sektor der Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen (SGE). Diese haben in den vergangenen Jahren in der beruflichen Vorsorge stark an Bedeutung gewonnen. Laut dem Pensionskassenverband Asip waren im Jahr 2022 knapp drei Viertel der aktiven Versicherten in einer der 233 SGE versichert.
Der grosse Bedeutungszuwachs der Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen kommt vor allem daher, dass viele Arbeitgeber die berufliche Vorsorge ihrer Mitarbeitenden nicht mehr selbst übernehmen, sondern diese an eine solche Einrichtung ausgelagert haben.
Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen strebten im Durchschnitt signifikant niedrigere Deckungsgrade an als firmeneigene Pensionskassen, sagte Kupper Staub. SGE befänden sich untereinander im Wettbewerb und verfolgten Wachstumsziele. Wachstum erfordere oft verkaufswirksame hohe Verzinsungen und führe zu einer Verwässerung der bestehenden Reserven, hiess es weiter. «Tiefere Wertschwankungsreserven reduzieren jedoch die Resilienz gegenüber Marktrückschlägen», sagte Kupper Staub.
Sie attestierte den SGE positive Aspekte wie eine starke Professionalisierung, Digitalisierung und allgemeine Innovationskraft. Zu den negativen Punkten zählten aber Interessenkonflikte zwischen den teilweise gewinnorientierten Betreibergesellschaften und den Versicherten. «Das Spektrum bei den Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen ist sehr heterogen», sagte Kupper Staub.
Für Negativschlagzeilen im Sektor der SGE hat unlängst Tellco PK gesorgt. Bei dieser Einrichtung hat die Zentralschweizer BVG- und Stiftungsaufsicht den Stiftungsrat, also das oberste Führungsgremium, suspendiert und das Beratungsunternehmen WTW als amtliche Verwalterin eingesetzt. Tellco PK gab in einer Mitteilung an, anhaltende Meinungsverschiedenheiten im Stiftungsrat hätten eine ordnungsgemässe Führung der Vorsorgeeinrichtung unmöglich gemacht.
Um auf die Situation bei manchen SGE zu reagieren, hat die Oberaufsichtskommission Anfang Mai Weisungen zu Mindestanforderungen für Rechtsgeschäfte mit nahestehenden Personen erlassen. Diese Bestimmungen sollen verhindern, dass SGE und deren Versicherte durch die Folgen von Interessenkonflikten geschädigt werden.
Michael Ferber, «Neue Zürcher Zeitung»
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