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Die SNB eröffnet ein Museum – und gewährt einen Einblick in die Welt der Geldpolitik

Im Ausstellungsraum «Phänomen Geld» werden Sammlungsobjekte des Bernischen Historischen Museums gezeigt, die einst als Zahlungsmittel dienten: von Kaurischnecken über Nylon-Strümpfe bis hin zum Bitcoin Mining Rig. (Marc Guerraz/Moneyverse)

Die SNB eröffnet ein Museum – und gewährt einen Einblick in die Welt der Geldpolitik

Finanzen

10.4.2026 | nzz.ch

Die SNB eröffnet ein Museum – und gewährt einen Einblick in die Welt der Geldpolitik

Mitten in Bern entsteht ein Ort, an dem Geldgeschichte, Ökonomie und Unterhaltung zusammenfinden. Im Moneyverse entscheiden Besucher über Zinsen – und erleben die Folgen ihres Tuns.

In ihren Anfangszeiten waren Notenbanken sehr geheimnisumwitterte Institutionen. Nur wenige Informationen drangen nach aussen, und wenn Geldpolitiker in der Öffentlichkeit doch einmal etwas sagten, taten sie dies bisweilen so kompliziert und mehrdeutig, dass das Publikum ähnlich ratlos zurückblieb wie bei blossem Schweigen.

In den letzten paar Jahrzehnten hat sich dies geändert. Die Währungshüter sind transparenter geworden. Das gilt auch für die Schweizerische Nationalbank (SNB). Deren Vertreter suchen verstärkt die Öffentlichkeit und gewähren Einblicke in die Beweggründe ihrer Entscheide; seit kurzem etwa mit Zusammenfassungen ihrer geldpolitischen Lagebeurteilungen.

Ein Beitrag zum Allgemeinwissen

Nun geht die SNB noch einen Schritt weiter. Sie eröffnet ein Museum, das der Bevölkerung den Auftrag und die Arbeit der Nationalbank näherbringen soll. Dabei werden auch historische, gesellschaftliche und persönliche Fragen rund ums Phänomen Geld thematisiert – all dies unter dem programmatischen Namen Moneyverse.

Das Besucherzentrum nimmt diesen Freitag den Betrieb auf. Es liegt im Stadtzentrum Berns, wenige Meter vom Bundeshaus und vom Berner Sitz der SNB entfernt. Untergebracht ist das Moneyverse im Kaiserhaus, einem denkmalgeschützten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das die SNB bereits in den 1970er Jahren gekauft und erstmals umgebaut hat.

Der SNB-Präsident Martin Schlegel sagte bei der Eröffnung, es gebe ein grosses Bedürfnis nach einem solchen Angebot. Fast täglich erhalte man Anfragen von Personen, welche die SNB besuchen wollten. Bis heute existiere in der Schweiz, im Unterschied zu vielen anderen Ländern, aber kein Ort, an dem sich die Bevölkerung über ihre Zentralbank und deren Aufgaben informieren könne. «Das wird sich nun ändern.»

Die SNB versteht das Moneyverse als einen Beitrag zum ökonomischen Allgemeinwissen der Bevölkerung. Das Museum kann kostenlos besucht werden und richtet sich an ein breites Publikum wie namentlich auch Schulklassen. Für die Konzeption und Realisierung der Ausstellung ist die SNB eine Partnerschaft mit dem Bernischen Historischen Museum eingegangen. Dieses übernimmt auch die Betriebsführung.

Am Zinssimulator die Wirtschaft steuern

Die Förderung von Finanzkompetenz – Stichwort: «financial literacy» – hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Dass verstärkt auch Notenbanken in diesem Bildungsbereich aktiv werden, dürfte in deren ureigenem Interesse sein. Denn Geldpolitik wirkt besser, wenn die Bevölkerung die Mechanismen der Finanzwelt versteht und ihr Verhalten an Massnahmen wie Zinsveränderungen anpasst.

Ein Rundgang durch die vier Geschosse der Ausstellung zeigt, dass solches Verständnis sehr unterhaltsam gefördert wird. Wer einmal in die Haut des SNB-Direktoriums schlüpfen will, kann dies tun und selber Zinsen anpassen. In einer Art Cockpit wird einem die wirtschaftliche Lage des Landes geschildert. Danach kann man den Zinssimulator nach oben oder unten schieben. Sogleich vernimmt man die Folgen. Dabei zeigt sich: Es allen recht zu machen, ist in der Geldpolitik unmöglich.

Doch es dreht sich nicht alles nur um die SNB. Das Phänomen des Geldes wird breiter aufgegriffen. Ausgestellt sind etwa schwere Steinscheiben, die auf den Yap-Inseln im Pazifik bis heute als Zahlungsmittel gelten. Präsentiert werden auch Nylonstrümpfe, die in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wie Geld getauscht wurden. Die Lehre: Geld kann viele Formen annehmen; entscheidend ist, dass die Leute daran glauben.

Tiefer dreistelliger Millionenbetrag

Ähnlich wechselvoll wie die Geschichte des Geldes war die Entstehung des Moneyverse. Das Projekt und der damit verbundene Umbau des Kaiserhauses verzögerten sich mehrmals. Das hat viele Gründe. So fiel der 2020 begonnene Umbau in die Zeit der Corona-Pandemie, was zu Unterbrüchen und Knappheiten bei Baumaterialien führte.

Verzögernd wirkte auch, dass beim Umbau diverse Asbestbestände aus den 1970er Jahren zum Vorschein kamen. Auch die weitreichenden Bestimmungen des Denkmalschutzes waren einem raschen Vorankommen kaum förderlich. Hinzu kamen strenge Anforderungen an die Sicherheit.

Der ganze Umbau des Kaiserhauses hat gemäss Schlegel einen tiefen dreistelligen Millionenbetrag gekostet, das Moneyverse einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag. Zur Frage, ob er das nicht etwas genauer angeben könne, verwies der SNB-Präsident auf die Probleme rund um Asbest, Denkmalschutz und Sicherheit. Die Offenheit der SNB hat ihre Grenzen.

Thomas Fuster, «Neue Zürcher Zeitung»

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