Aufgrund einer Gesetzesänderung werden Insolvenzen schneller sichtbar. (Adobe Stock)
Finanzen
19.2.2026 | Dun & Bradstreet
Firmenkonkurse in der Schweiz erreichen 2025 historischen Höchststand – eine Gesetzesrevision beschleunigt die Marktbereinigung
Die Zahl der Schweizer Unternehmenskonkurse ist im Gesamtjahr 2025 massiv angestiegen. Gemäss Analyse von Dun & Bradstreet wurden bei im Handelsregister eingetragenen Unternehmen 54 Prozent mehr Insolvenzverfahren eröffnet als im Vorjahr. Die Zahl der Neugründungen stieg um 5 Prozent.
Der starke Anstieg der Firmenkonkurse im Jahr 2025 ist nicht Ausdruck einer konjunkturellen Krise. Verantwortlich dafür ist die seit Januar geltende Revision des Schuldbetreibungs- und Konkursgesetzes (SchKG). Mit der Gesetzesänderung sind öffentlich-rechtliche Gläubiger wie Steuerbehörden und Sozialversicherungen verpflichtet, ausstehende Forderungen konsequent über Konkursverfahren durchzusetzen. Dadurch werden zahlreiche bislang aufgeschobene oder verdeckte Insolvenzen beschleunigt sichtbar. Ziel der Reform ist eine höhere Markttransparenz, eine verbesserte Zahlungsmoral sowie die Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen durch wirtschaftlich nicht mehr tragfähige Unternehmen.
Deutliche regionale Unterschiede bei den Insolvenzen
Regional zeigten sich im Gesamtjahr 2025 erhebliche Unterschiede: Am stärksten stiegen die Firmenkonkurse in der Zentralschweiz (+61 Prozent), gefolgt vom Espace Mittelland (+59 Prozent) und der Südwestschweiz (+56 Prozent). Unterdurchschnittlich fiel der Anstieg in der Ostschweiz (+52 Prozent), in der Nordwestschweiz (+51 Prozent) sowie in Zürich (+46 Prozent) aus. Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass die neuen gesetzlichen Vorgaben kantonal unterschiedlich konsequent umgesetzt werden und die bereinigende Wirkung regional zeitlich versetzt greift.
Breiter Anstieg über nahezu alle Branchen hinweg
Auch sektorenübergreifend zeigt sich ein klarer Effekt der Gesetzesrevision. Am stärksten sind die Unterhaltungs- und Freizeitwirtschaft (+94 Prozent) sowie die der Herstellung dauerhafter Güter (+89 Prozent) betroffen. Auch bei persönlichen Dienstleistungen (+81 Prozent) sowie in der IT-Branche (+77 Prozent) nahmen die Insolvenzen besonders stark zu. Vergleichsweise moderat fiel der Anstieg in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei (+24 Prozent), der Holz- und Möbelindustrie (+29 Prozent) sowie im Gesundheitswesen (+33 Prozent) aus. Diese Entwicklung unterstreicht, dass die Gesetzesänderung vor allem Unternehmen betrifft, die bereits strukturell belastet waren, insbesondere in Branchen mit knappen Margen, hoher Verschuldung oder eingeschränkter Liquidität.
Mehr Neugründungen trotz Marktbereinigung
Trotz des markanten Anstiegs der Konkurse nahm die Gründungsaktivität im Jahr 2025 landesweit um weitere 5 Prozent zu. Besonders dynamisch entwickelte sich die Zentralschweiz (+13 Prozent), gefolgt von Zürich und der Nordwestschweiz (je +6 Prozent). Einen unterdurchschnittlichen Zuwachs gab es in der Südwestschweiz (+4 Prozent), im Espace Mittelland (+3 Prozent) und in der Ostschweiz (+1 Prozent). Rückläufig war die Entwicklung lediglich im Tessin (–3 Prozent).
Auf Branchenebene verzeichnete die Immobilienwirtschaft (+22 Prozent) den stärksten Gründungsboom, gefolgt von der IT-Branche (+18 Prozent) sowie Holding- und Investitionsgesellschaften (+17 Prozent). Auch die Finanzbranche, das Autogewerbe und Ausbildungsdienstleister (jeweils +10 Prozent) verzeichneten einen Zuwachs. Rückgänge gab es unter anderem im Einzelhandel (–7 Prozent) sowie im Großhandel und Gastgewerbe (jeweils –3 Prozent).
Kurzfristige Belastung, langfristige Stabilisierung
«Der starke Anstieg der Firmenkonkurse im Jahr 2025 ist in erster Linie Ausdruck einer politisch gewollten Marktbereinigung und weniger einer konjunkturellen Verschlechterung», sagt Marianne Bregenzer, Country Lead Schweiz bei Dun & Bradstreet. «In dieser Übergangsphase wird es für Unternehmen umso wichtiger, wirtschaftliche Risiken realistisch einzuschätzen und die Stabilität von Geschäftspartnern laufend zu überprüfen.»
Die vollständige Studie «Insolvenzen & Neugründungen» ist hier erhältlich.
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