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Finanzen
9.2.2026 |
Exchange Traded Funds: Gebühren sparen und typische Fehler vermeiden
Exchange Traded Funds verzeichnen Rekordzuflüsse. Doch für den langfristigen Vermögensaufbau zählt nicht der Boom, sondern die richtige Auswahl – gerade für Schweizer Anleger.
Von Mark Baer
Das Jahr 2025 geht als Jahr der Superlative in die Geschichte der Geldanlage ein. Während Handelskonflikte und andere geopolitische Unsicherheiten die Schlagzeilen dominierten, zeigten die Kapitalströme ein anderes Bild. Laut dem aktuellsten Marktbericht des Vermögensverwalters Vanguard flossen im vergangenen Jahr netto 372 Milliarden US-Dollar in europäische Exchange Traded Funds (ETFs). Das sind umgerechnet rund 335 Milliarden Franken. Damit wurde der Rekord des Vorjahres um fast 94 Milliarden Dollar übertroffen.
Zum Jahresende bestätigte sich dieser Trend erneut eindrücklich: Allein im Dezember 2025 flossen weitere 35 Milliarden Dollar in europäische ETFs. Dieser Schlussspurt unterstreicht eine fundamentale Verschiebung: Der ETF ist vom reinen Handelsinstrument zum Basisinvestment avanciert. Besonders sogenannte Core-Aktienstrategien, also breit diversifizierte Standardwerte, verzeichneten über das ganze Jahr hinweg konstant Zuflüsse.
Doch diese Euphorie verdeckt, dass die Märkte anspruchsvoller geworden sind. Wo früher oft ein einziger Standardindex genügte, sehen sich Investoren heute einer wachsenden Flut aus Spezialprodukten, aktiven Strategien und teils undurchsichtigen Gebührenmodellen gegenüber. Wer heute erfolgreich investieren will, muss genau hinschauen. Es gilt zu unterscheiden: Welche neuen digitalen Sparmöglichkeiten taugen etwas? Wann lohnen sich trendige aktive Strategien? Und wie soll man mit den volatilen Kryptomärkten umgehen?
Der helvetische Sparplanmarkt erwacht
Lange Zeit war die Schweiz ein schwieriges Pflaster für den automatisierten Vermögensaufbau mit ETFs. Sparpläne fristeten hierzulande ein Schattendasein. Hohe Mindestgebühren frassen die Rendite kleinerer monatlicher Sparbeträge oft vollständig auf.
Das hat sich geändert. Neue digitale Anbieter wirbeln den Markt auf und brechen verkrustete Strukturen auf. Es ist heute endlich möglich, kosteneffizient in kleinen Tranchen zu investieren.
Aber Vorsicht ist geboten: Die Unterschiede zwischen den Anbietern bleiben gross. Wer bei seiner Hausbank ungeprüft investiert, zahlt oft noch immer hohe Gebühren. Jeder Franken, den Sie an Gebühren zahlen, kann keine Rendite mehr erwirtschaften. Und dieser Verlust potenziert sich über die Jahre. Nach zwei Jahrzehnten fehlt mit zu hohen Fees schnell der Gegenwert eines Kleinwagens. Anlegerinnen und Anleger sollten daher nicht nur Pauschalgebühren und Courtagen prüfen. Ein oft übersehener Renditekiller sind auch Währungskosten.
Exchange Traded Funds: Ist aktiv das neue passiv?
Eine weitere eiserne Regel gerät ins Wanken: Sind ETFs per Definition passiv? Nein – das war einmal. Die Grenze zwischen aktivem Fondsmanagement und passiven Indexfonds verschwimmt zunehmend.
Daten des Asset Managers Robeco zeigen in Europa eine deutliche Verschiebung. Während 2019 nur 5 Prozent der neuen ETF-Listings aktive Strategien verfolgten, waren es im letzten Jahr bereits 40 Prozent. Der Anteil neuer aktiver Notierungen hat sich auf unserem Kontinent in den letzten sechs Jahren damit verachtfacht.
Der Grund für diesen Wandel liegt in veränderten Bedürfnissen. Viele Investoren geben sich nicht mehr mit dem reinen Marktdurchschnitt zufrieden. Sie suchen nach gezielter Risikosteuerung oder wollen Nachhaltigkeitskriterien strenger anwenden. Aktive ETFs nutzen die technische Hülle eines Exchange Traded Funds: Sie sind einfach handelbar, transparent und liquide. Gleichzeitig wird ihr Innenleben aktiv gesteuert. Statt mechanisch einen Index 1:1 nachzubauen, entscheiden Fondsmanager oder Algorithmen über Auswahl und Gewichtung der Titel.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Anleger sind nicht mehr Sklaven der Marktkapitalisierung. In einem klassischen Weltindex kaufen sie automatisch einen grossen Anteil an US-Tech-Titeln – unabhängig davon, wie hoch diese bewertet sind. Aktive Ansätze versuchen, solche Klumpenrisiken zu glätten.
Doch auch hier gibt es Opportunitätskosten. Aktive ETFs sind oft teurer als ihre passiven Pendants. Zudem wetten sie darauf, dass das Fondsmanagement klüger ist als der Markt.
Der einfache Weg zu Kryptoanlagen
Wer Kryptowährungen wie Bitcoin seinem Portfolio beimischen möchte, muss dafür nicht in die Ferne schweifen. Die Schweiz nimmt hier eine Vorreiterrolle ein. An der SIX Swiss Exchange finden Anleger eine breite Palette sogenannter ETPs. Emittenten wie 21Shares, CoinShares oder WisdomTree bieten dort physisch hinterlegte Exchange Traded Products an, die Bitcoin und andere digitale Assets zuverlässig abbilden. Der Umweg über US-Produkte ist für Schweizer Investorinnen und Investoren meist unnötig.
Ein Blick auf globale Daten mahnt jedoch zur Vorsicht beim Einstiegszeitpunkt. Während der traditionelle Aktien-ETF-Markt Rekorde feierte, zeigten Kryptoanlagen gegen Ende 2025 ein wechselhaftes Bild.
Der monatliche Report von 21Shares für Dezember bestätigt dies: Nach Abflüssen im November kehrten europäische Krypto-ETPs im Dezember zwar in die Gewinnzone zurück und verzeichneten Nettozuflüsse von über 193 Millionen Dollar. Doch der Schein trügt. Während Bitcoin-Produkte stark gesucht waren, wurden andere Segmente wie Kryptokörbe oder Produkte auf die Währung Solana weiterhin in grossem Stil abgestossen.
Die Lehre aus den jüngsten Marktbewegungen ist eindeutig: Die traditionelle Finanzwelt und die Kryptomärkte laufen nicht immer synchron. Krypto-ETPs können ein Portfolio sinnvoll ergänzen, eignen sich jedoch nur als Beimischung. Sie ersetzen weder einen breit abgestützten Aktienkern noch eine sorgfältige Vermögensallokation, die sich an Risikofähigkeit und Anlagehorizont orientiert.
Dieser Artkel erschien erstmals in der Schwerpunktbeilage «Finanzratgeber 2026» der NZZ.