Nach über 50 Jahren am Steuer gibt Warren Buffet die Schlüssel weiter. (Adobe Stock)
Finanzen
5.1.2026 | nzz.ch
Eine Börse ohne Warren Buffett ist Realität: Der Starinvestor hat seinen Stuhl geräumt
Nach 55 Jahren gab der Milliardär die Leitung von Berkshire Hathaway ab. Anleger müssen jetzt ohne ihr liebstes Orakel auskommen.
Normalerweise wäre es für Warren Buffett kein Erfolg, wenn sich die Aktie seines Anlagekonzerns Berkshire Hathaway nicht vom Fleck bewegt. Schliesslich hat die amerikanische Investorenlegende eines der erfolgreichsten Unternehmen der Börsengeschichte geformt. In der Silvesterwoche blieb der Aktienkurs stabil – nur stabil. Aber das ist gut, denn es zeigt: Die Anleger haben offenbar ihren Frieden mit einer Börse ohne Buffett gemacht.
Mit dem Jahreswechsel räumte der 95-jährige Milliardär den Posten als CEO von Berkshire Hathaway. Er präsidiert nur noch den Verwaltungsrat. Die Anlageentscheide trifft jetzt sein langjähriger, bisheriger Stellvertreter Greg Abel. Als Buffett im Mai seinen Rückzug ankündigte, sanken die Berkshire-Aktien in den folgenden Wochen um bis zu 15 Prozent. Der Schock sass tief.
Buffett geht. Berkshire Hathaway wird noch mindestens 50 oder 100 Jahre bleiben, versprach er in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC. Was als Textilfirma in Massachusetts begonnen hatte, ist seit 1970 unter dem CEO Buffett zu einem riesigen Konglomerat gewachsen, das einem Anlagefonds ähnelt. Zu den grössten Investments zählen Apple, Bank of America, American Express und Coca-Cola. Im Jahr 2024 resultierte ein Gewinn von 89 Milliarden Dollar.
Wegen seiner Auswahl von Anlagezielen wurde das Orakel von Omaha, wie Buffett nach dem Ort der Firmenzentrale genannt wird, an der Börse stark beachtet. Er vertritt keine komplizierten kurzfristigen Strategien, sondern ist ein Verfechter der Value-Philosophie: Günstig bewertete Aktien von Qualitätsunternehmen kaufen – und langfristig halten. «Unser bevorzugter Anlagehorizont ist für immer», sagte Buffett einmal.
Am Donnerstag hatte der Starinvestor seinen letzten Arbeitstag. Aber er will in der Nähe bleiben und nützlich sein, wie er es ausdrückte. Loslassen fällt eben schwer. Verständlich, denn Buffett hält noch 14 Prozent am Konzern. Und seine Hobbys sind so wie er: betont bodenständig – zum Beispiel Bridge oder Ukulele spielen. Selbst eine Legende kann das nicht den ganzen Tag.
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