Wirtschaft
7.5.2026 | nzz.ch
«Wir haben bereits im April gesehen, wie weh ein steigender Kerosinpreis einer Fluggesellschaft tut», sagt der Finanzchef der Swiss
Die Schweizer Fluggesellschaft konnte den Betriebsgewinn zum Jahresbeginn deutlich steigern – auch weil sie von einer höheren Nachfrage wegen des Iran-Kriegs profitierte.
Am Mittwoch hat die Swiss das Ergebnis des ersten Quartals im neuen Jahr präsentiert. Der Umsatz stieg leicht um 0,3 Prozent auf 1,22 Milliarden Franken, wie die Fluggesellschaft mitteilte. Der Betriebsgewinn verbesserte sich von 3,3 Millionen im Vorjahreszeitraum auf 30 Millionen Franken. «Die Swiss steht auch nach dem ersten Quartal solide da», so Jens Fehlinger, CEO von Swiss, an der Medienkonferenz.
Doch aufgrund der geopolitischen Lage relativiert Fehlinger die positiven Zahlen. Denn die Fluggesellschaft spürt die negativen Folgen des Iran-Kriegs bis jetzt nur begrenzt. Im Gegenteil: Bei vielen Strecken nach Asien profitierte die Swiss, weil die Fluggesellschaften der Golfregion ihr Angebot zurückfahren mussten. Und auch wenn diese noch geflogen seien, hätten viele Kunden «oftmals einen Bogen um sie gemacht», sagt Dennis Weber, der CFO der Swiss.
Die gestiegenen Treibstoffkosten werden jedoch ab dem nächsten Quartal durchschlagen. «Wir haben bereits im April gesehen, wie weh ein steigender Kerosinpreis einer Fluggesellschaft tut», sagt Weber. Der Preis für Kerosin ist heute doppelt so hoch, wie er noch vor Ausbruch des Iran-Kriegs war. Das wird die Swiss in den Folgemonaten spüren.
Steigende Treibstoffpreise erst ab April spürbar
Die Swiss sichert sich mittels Hedging gegen schwankende Kerosinpreise ab. Die Fluggesellschaft sei zu 80 Prozent abgesichert, so Weber. Damit sei die Quote um einiges höher als bei der Konkurrenz. Insbesondere amerikanische Fluggesellschaften würden sich gar nicht absichern und müssten die Kosten unmittelbar an die Passagiere weitergeben.
Doch 20 Prozent wären nicht abgesichert und auch die restlichen 80 Prozent lediglich mit Optionen. «Wir gehen gerade für das zweite Quartal von signifikant höheren Kosten für Treibstoff aus», sagt Weber.
Die Swiss muss nicht nur von einem steigenden Kerosinpreis, sondern auch von einem Mangel an Treibstoff ausgehen. «Hedging ist eine Finanztransaktion. Es bedeutet nicht, dass wir uns damit die physische Verfügbarkeit von Treibstoff sichern», führt Weber weiter aus.
Um dem Treibstoffmangel frühzeitig entgegenzuwirken, arbeitet die Swiss mit Szenarien, die sie jeweils sechs Wochen im Voraus antizipiert. Falls die Treibstoffe knapp würden, sähe man dies zuerst in Regionen wie Asien oder Afrika, sagt Fehlinger. Darauf könne die Airline reagieren, indem sie den Flugplan anpassen würde. Falls nötig, würden auch Tankstopps eingeplant. Eine weitere Massnahme sei, strategische Reserven am Standort in der Schweiz zu bunkern.
Gerade weil sich eine Verknappung frühzeitig abzeichnen würde, ist die Swiss optimistisch gestimmt. «Wir sind nach wie vor sehr guter Dinge, was den Sommer angeht», so Fehlinger. Flüge könnten ruhigen Gewissens gebucht werden. Und trotzdem: Die Welt sei zu volatil, um sichere Prognosen zu machen.
Kapazitätsengpässe seit Corona
Im ersten Quartal dieses Jahres flogen 3,7 Millionen Menschen mit der Swiss. Das sind 0,4 Prozent weniger als im Vorjahr. In den vergangenen drei Monaten starteten Swiss-Flugzeuge knapp 30 000 Mal – 7,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Immerhin: Die Swiss konnte die Flugzeuge effizienter auslasten.
Allerdings ist das erste Quartal für die Airline ohnehin immer das schwächste. Den Grossteil des Umsatzes erzielt die Swiss im Rest des Jahres. Das gute Ergebnis wird für das Gesamtjahr daher nicht stark ins Gewicht fallen.
«Wir werden uns im Gesamtjahr mit Wachstum schwertun», so Weber. Im Jahr 2026 gehe es darum, wachstumsfähiger zu werden, um 2027 den Anschluss an den Markt nicht zu verpassen.
Die Kapazitätsrückgänge sind unter anderem auf Engpässe bei den Triebwerklieferungen sowie auf den Pilotenmangel zurückzuführen. Mit diesen Herausforderungen kämpft die Airline bereits seit der Corona-Pandemie.
Dazu kommen steigende Betriebskosten. Gerade die Wartung der Triebwerke der Modelle Airbus A320 und A220 sei deutlich kostspieliger gewesen als erwartet, sagte Weber. Zudem befinde sich ein Teil der Flotte in der «zweiten Dekade ihres Lebenszyklus». Auch das treibe die Kosten in die Höhe, zusammen mit einem inflationären Markt für Wartungsdienstleistungen. «Das trifft uns schon relativ hart», so Weber.
Die Swiss hat bereits vor Ausbruch des Iran-Kriegs ein Sparprogramm eingeleitet und plant, die Kosten weiter zu senken. «Wir wollen, dass Fliegen bezahlbar bleibt», sagt Fehlinger.
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