Die UBS ist ein wichtiger Vertriebskanal für Privatmarktanbieter. (Markus Mainka/Adobe Stock)
Wirtschaft
13.7.2026 | nzz.ch
Private Credit in der Krise: Die UBS soll Rücknahmewelle bei Fonds ausgelöst haben
Die Grossbank hat gemäss einem Bericht der «Financial Times» gewissen Kunden empfohlen, ihr Engagement in dem Bereich herunterzufahren. Die UBS hält unverändert an der Anlageklasse fest.
Private Credit steckt bei Privatanlegern in einer Vertrauenskrise. Lange erfüllten die nichtkotierten Anlagen die Erwartungen der Investoren: Sie erwirtschafteten höhere Renditen, dafür nahmen die Geldgeber Illiquidität und eine gewisse Intransparenz in Kauf.
Eine grosse Anzahl nervöser Anleger hat die Branche in den vergangenen Monaten jedoch aufgeschreckt. Sie wollen ihr Geld aus den Fonds abziehen. Dahinter steht unter anderem die Sorge, dass KI die Geschäftsmodelle zahlreicher Firmen vor allem im Softwarebereich überflüssig macht. Private-Equity-Häuser haben diese Firmen oft mitfinanziert.
Viele Privatmarktanbieter mussten daraufhin die Rücknahmen bei ihren Fonds begrenzen – darunter auch grosse Namen wie KKR, Blackrock, Partners Group oder Blue Owl. Letztgenannte ist stark bei Private Credit investiert. Diese Fonds vergeben direkt Kredite an mittelgrosse Unternehmen, oft aus dem Softwarebereich.
Die UBS rät ihren Kunden zur Diversifikation
Wie die «Financial Times» schreibt, soll die UBS die Welle von Rücknahmeanträgen bei Blue Owl ausgelöst haben. Die Grossbank habe im vergangenen Herbst Kunden mit einem hohen Engagement bei Private Credit geraten, ihre Investitionen zurückzufahren. Kurz darauf hätten Kunden im vierten Quartal 2025 begonnen, grosse Summen aus einem technologielastigen Blue-Owl-Fonds abzuziehen.
Dabei habe die UBS laut der FT den Blue-Owl-Fonds überhaupt erst gross gemacht. Der Fonds sei auf die Bedürfnisse von UBS-Kunden zugeschnitten und nach Gesprächen mit der Grossbank 2022 lanciert worden. Die UBS vertrieb den Fonds mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Dollar an ihre Kunden in der Vermögensverwaltung. Mindestens zwei Drittel des Geldes hätten gemäss der britischen Zeitung Kunden der UBS beigesteuert, die meisten davon aus Asien.
Dass ein Fonds derart stark von einem Vertriebspartner abhängig ist, ordnen Branchenvertreter jedoch als unüblich ein. Normalerweise würden Anbieter beim Fundraising für mehr Diversifikation sorgen. Die UBS kommentiert den Fall auf Anfrage der NZZ nicht.
Die Sicht der Grossbank auf Private Credit habe sich aber nicht verändert, heisst es aus Bankenkreisen. In ihrem Investmentausblick für 2026 hält die UBS fest: Die Zinssenkungen hätten zwar zu tieferen Renditen geführt, für Investoren mit einem kleinen Engagement in dem Bereich sei Private Credit aber nach wie vor attraktiv. Wer in seinem Portfolio dagegen bereits überdurchschnittlich viel Private Credit hält, dem rät die Grossbank zur Diversifikation.
Fonds extra für Privatanleger
In Privatmarktanlagen investieren heute immer noch überwiegend institutionelle Investoren. Für die Branche werden vermögende Privatkunden allerdings seit Jahren wichtiger. Für diese Kundengruppe haben viele Anbieter ihre Fonds so gestaltet, dass Anleger ihre Anteile in gewissen Abständen verkaufen können. Bei herkömmlichen nichtkotierten Anlagen ist ein Ausstieg vor dem Ende der Laufzeit eines Fonds schwierig und meist mit hohen Abschlägen verbunden.
Als weltgrösster Vermögensverwalter vertreibt die UBS Privatmarktprodukte von ganz unterschiedlichen Anbietern. Seit knapp sechs Jahren unterhält sie auch eine Kooperation mit der Partners Group. Die Zuger Finanzgesellschaft gab Anfang Juni bekannt, dass sie die Rücknahmeanträge bei zwei ihrer Fonds begrenzt hat.
Das Geschäft mit den wohlhabenden Privatpersonen wollen die Zuger wie bis anhin ausbauen. Steffen Meister, der Verwaltungsratspräsident von Partners Group, kündigte gegenüber der NZZ damals jedoch an, dass die Zuger die Distributionskanäle sowie die Grösse dieser Fonds überdenken wollen.
Wie viel Geld von Kunden der UBS stammt, gibt die Finanzgesellschaft nicht bekannt. «Die UBS ist seit vielen Jahren ein ausgezeichneter Partner für uns und bleibt dies auch weiterhin», schreibt sie auf Anfrage. Am Mittwoch veröffentlicht die Partners Group Zahlen zur Entwicklung ihrer verwalteten Vermögen. Dann dürfte es auch Informationen zur weiteren Entwicklung der Rücknahmeanträge in den Fonds geben.
Nervosität bleibt hoch
Weil viele Privatkunden ihr Geld abgezogen haben, rechnet die Partners Group damit, dass ihre verwalteten Vermögen in diesem und im nächsten Jahr um 1 bis 2 Prozent langsamer wachsen werden.
Bei KKR sind die Rücknahmeanträge in einem betroffenen Fonds gemäss einer Meldung bei der US-Börsenaufsicht SEC im zweiten Quartal wieder zurückgegangen.
Der Druck auf Blue Owl ist dagegen nach wie vor hoch. In den vergangenen drei Monaten wollten Anleger aus dem wichtigsten Private-Credit-Fonds rund 4,7 Milliarden Dollar abziehen. Die Finanzgesellschaft ist stärker als andere von Privatkunden abhängig. Rund 40 Prozent ihrer Gelder sollen aus diesem Kanal stammen. Bis sich die Nervosität der Anleger wieder gelegt hat, werden die Anbieter noch alle Hände voll zu tun haben.
Beatrice Bösiger, «Neue Zürcher Zeitung»
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