Georg Fischer veräussert letzte drei Giessereien an CPP: Andreas Müller, CEO und Mads Joergensen, CFO an der Medienkonferenz im Februar dieses Jahres. (GF/PD)
Wirtschaft
8.7.2026 | nzz.ch
Die Schweizer Traditionsfirma Georg Fischer kappt ihre Wurzeln
Das Industrieunternehmen aus Schaffhausen veräussert seine letzten drei Giessereien im Tessin und in Rumänien an einen amerikanischen Konzern.
Georg Fischer (GF) gehört zu den weltgrössten Herstellern von Rohrleitungen aus Kunststoff für die Wasserversorgung. Doch in der Öffentlichkeit ist das Schaffhauser Traditionsunternehmen vielen noch als Giessereikonzern in Erinnerung. Mit Giessereien wurde die 1802 gegründete Firma gross, doch nun zieht GF endgültig einen Schlussstrich unter dieses Geschäft.
Am Dienstag gab der Konzern bekannt, für 220 Millionen Franken seine letzten drei Giessereien zu veräussern. Die drei Standorte, von denen sich zwei im Tessin (in Novazzano und in Stabio) und einer in Rumänien befinden, gehen an den amerikanischen Konkurrenten Consolidated Precision Products (CPP).
Gut ausgelastete Werke
Betroffen vom Verkauf sind 450 Mitarbeitende in der Schweiz und 150 in Rumänien. Wie sicher ihre Arbeitsplätze sind, konnte ein Sprecher von GF auf Anfrage der NZZ nicht sagen. Standortgarantien gebe es bei solchen Transaktionen üblicherweise nicht.
Angesichts ihrer guten Auslastung spricht indes viel dafür, dass die drei Giessereien vom neuen Eigentümer weitergeführt werden. Die Werke produzieren primär hochpräzise Teile für Flugzeugtriebwerke sowie Industriegasturbinen. Das Geschäft brumme, hielt der Sprecher von GF fest.
Wegen der rekordhohen Bestellungen von Flugzeugen sind die Auftragsbücher von Triebwerkherstellern voll. Auch Gaskraftwerke werden weltweit in grosser Zahl errichtet.
CPP stellt ebenfalls schwergewichtig Gussteile für die Luftfahrt sowie für Gaskraftwerke her. Der Konzern wurde 1991 gegründet und beschäftigt an über zwanzig Standorten in den USA, Mexiko und in Europa 5800 Mitarbeitende. Er wird von den beiden Private-Equity-Häusern Warburg Pincus und Berkshire Partners kontrolliert.
Weitreichender Konzernumbau
Die drei Giessereien in der Schweiz und in Rumänien waren 2018 im Rahmen der Übernahme der Tessiner Familienfirma Precicast Industrial zu GF gestossen. Damals arbeiteten noch insgesamt 730 Beschäftigte an den Standorten, der Umsatz wurde mit 120 Millionen Franken angegeben. GF versprach sich von der Akquisition eine Diversifikation des automobillastigen Giessereigeschäfts. Der entsprechende Geschäftsbereich hiess seinerzeit noch GF Automotive und wurde später in GF Casting Solutions umbenannt.
In den vergangenen Jahren durchlief der Konzern indes eine tiefgreifende Transformation. 2023 wurde erst der finnische Rohrhersteller Uponor übernommen. Im Juli 2025 stieg GF aus dem Geschäft mit Werkzeugmaschinen aus – die Sparte wurde dem Schweizer Konkurrenten United Grinding veräussert. Mitte Februar dieses Jahres entledigte sich das Unternehmen auch des Grossteils des Geschäftsbereichs Casting Solutions. Die Herstellung von Gussteilen für die Automobilbranche ging an den mexikanischen Mitbewerber Nemak.
Nach der Veräusserung der letzten drei Giessereien wird sich GF auf das Geschäft mit Röhrensystemen konzentrieren. Investoren haben diese Fokussierung seit Jahren vom Management gefordert. Das Geschäftsmodell von Industriekonglomeraten, die verschiedene Tätigkeiten unter ein und demselben Dach führen, gilt als veraltet. Es führe dazu, dass sich ein Unternehmen verzettle, lautet ein häufiger Vorwurf. Auch liessen sich Gemischtwarenläden schwer mit anderen Unternehmen vergleichen.
Der Aktienkurs von Georg Fischer stieg am Dienstag bis zum Mittag um 1,4 Prozent auf 45.22 Franken. Zur positiven Reaktion dürfte der überraschend hohe Erlös beigetragen haben, der GF dank dem Verkauf der drei Giessereien zufliesst. Analysten der Zürcher Kantonalbank hatten lediglich mit 100 Millionen Franken gerechnet.
Im bisherigen Jahresverlauf haben die Titel von GF aber trotz dem jüngsten Kursgewinn 16 Prozent an Wert eingebüsst. Dem Konzern setzt wie anderen Bauzulieferern die flaue Konjunktur zu.
Dominik Feldges, «Neue Zürcher Zeitung»
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