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Der Vorzeige-Banker Giorgio Pradelli soll den Glanz des Schweizer Finanzplatzes bewahren. Kann er auch mehr?

EFG-Chef Giorgio Pradelli wird neuer Präsident der Bankiervereinigung. (PD)

Der Vorzeige-Banker Giorgio Pradelli soll den Glanz des Schweizer Finanzplatzes bewahren. Kann er auch mehr?

Wirtschaft

12.5.2026 | nzz.ch

Der Vorzeige-Banker Giorgio Pradelli soll den Glanz des Schweizer Finanzplatzes bewahren. Kann er auch mehr?

Der Chef der Privatbank EFG wird Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung. Giorgio Pradelli kann nun als Lobbyist zeigen, wie der Finanzplatz zukunftssicher werden soll.

Als Bankier ist Giorgio Pradelli ein Sechser-Schüler. Er hat in den letzten Jahren aus der kriselnden Privatbank EFG International eine respektierte Adresse des Schweizer Wealth-Managements gemacht.

Nun wird er neuer Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), des Dachverbands der Schweizer Banken. Er ersetzt Marcel Rohner, der nach fünf Jahren die Lobbyorganisation verlässt.

Pradellis Aufgabe wird sein, den Ruf des Schweizer Finanzplatzes zu schützen und dessen Positionierung zu verbessern. Der 59-Jährige wird das Präsidium des Verbands Swiss Banking ab September im Nebenamt ausüben. Seinen Hauptjob als CEO von EFG behält er.

«Ich bin mir der Bedeutung dieses Amtes für den Schweizer Finanzplatz sehr bewusst», lässt sich Pradelli in einer Mitteilung zitieren. Er bezeichnet den Finanzplatz als zentralen Pfeiler von Wirtschaft und Gesellschaft. Er gehöre mit seinem vielfältigen Bankensystem zu den wettbewerbsfähigsten der Welt.

Gleiche Wettbewerbsbedingungen für die UBS

Doch der Ruf des Schweizer Finanzplatzes hat nach dem Untergang der Credit Suisse und dem unsteten Umgang mit Sanktionen, zum Beispiel gegenüber Russland, gelitten. Als oberster Vertreter der Finanzbranche wird sich Pradelli vor allem mit regulatorischen und politischen Fragen auseinandersetzen müssen.

Pradelli will sich für «Stabilität, Proportionalität und internationale Wettbewerbsfähigkeit» einsetzen. Insbesondere die derzeit vom Bundesrat angestrebte Verschärfung der Regeln für systemrelevante Grossbanken wie die UBS wird ihn beschäftigen.

Seine Position hierzu hat Pradelli an einem Branchenanlass Anfang Jahr kundgetan. Damals forderte er für die UBS dieselben Wettbewerbsbedingungen, die auch für amerikanische Konkurrenten wie Morgan Stanley gelten. Damit hat er sich indirekt gegen die Verschärfung der Regulierung ausgesprochen, die der Bundesrat vorschlägt. Auch nach dem Untergang der CS sieht er den Finanzplatz insgesamt nicht in der Krise.

Architekt des Turnarounds bei EFG

Mit Krisen hat Pradelli Erfahrung. Er machte sich als erfolgreicher CEO der Privatbank EFG und als Architekt des Turnarounds der Bank einen Namen. Als er den Job 2018 übernahm, befand sich das Institut, das der griechischen Reeder-Familie Latsis gehört, im Krisenmodus. Zwei Jahre zuvor hatte EFG die Tessiner Bank BSI und damit einen Strauss von Compliance-Problemen übernommen.

Pradelli räumte entschieden auf und machte aus einer ineffizienten, problemgeplagten Bank einen der am schnellsten wachsenden Vermögensverwalter der Schweiz. Mittlerweile ist EFG, die anfangs belächelt wurde, in die Führungsgruppe der Schweizer Privatbanken aufgerückt. Mit rund 185 Milliarden Franken verwalteten Vermögen ist EFG zwar kleiner als die nächste Konkurrentin Vontobel, sie schreibt aber deutlich mehr Gewinn und zieht mehr Neugelder an.

Als «new kid on the block» des Schweizer Finanzplatzes werden EFG regelmässig Fusions- oder Übernahmegerüchte nachgesagt, insbesondere was einen Zusammenschluss mit der Traditionsbank Julius Bär betrifft. Über eine Konsolidierung des Sektors wird seit Jahren gesprochen, doch zu einer Transaktion ist es unter Pradelli bisher nicht gekommen, obwohl er immer wieder klar seine Bereitschaft dazu signalisiert hat.

Europäische Bankkarriere

Pradelli ist ein Eigengewächs der Finanzbranche. Er ist in Turin als Sohn einer Lehrerin und eines Professors des Politecnico di Torino aufgewachsen. Nach dem Wirtschaftsstudium startete er als Trainee bei der Deutschen Bank in Deutschland. Er arbeitete in Frankfurt im Private Banking, wurde Leiter des Italiengeschäfts und wechselte dann nach London.

Bei der Deutschen Bank lernte er die Reeder-Familie Latsis kennen. Er restrukturierte die Finanzgruppe der Familie und organisierte den Börsengang der European Financial Group im Jahre 2005, aus der der Schweizer Ableger EFG entstand. In der Folge kümmerte sich Pradelli von Athen aus um das internationale Geschäft der Finanzgruppe der Familie.

Er tat dies zu Zeiten der Euro-Krise, als an den Finanzmärkten viel Stress herrschte. In Griechenland lernte er seine spätere Frau kennen. Heute ist er Vater von vier Kindern. Die nächste Station führte ihn in die Schweiz, wo er 2012 Finanzchef der EFG-Privatbank wurde und nach ein paar Jahren als Stellvertreter zum CEO aufrückte.

Hohe Glaubwürdigkeit

Pradellis Erfolgsbilanz bei EFG ist unbestritten. Seit dem Börsengang haben sich die verwalteten Vermögen der Bank mehr als vervierfacht. Die Aktien gelten als verlässliche Dividendenpapiere, das Vertrauen der Investoren ist zurück. EFG ist auch für Kundenberater eine attraktive Adresse. EFG wird eine «unternehmerische Kultur» nachgesagt, die ihren Beratern viel Autonomie und hohe Verdienstmöglichkeiten bietet.

Der Erfolg von EFG verleiht Pradelli hohe fachliche Glaubwürdigkeit. Er spricht fliessend alle Landessprachen und hat eine geschmeidige, angenehme Art. Als frisch eingebürgerter, in Wollerau lebender Schweizer verkörpert Pradelli das saubere, international erfolgreiche Swiss Banking auf ideale Weise. Dem Finanzplatz ist zu wünschen, dass er auch im Rahmen der ausgeprägten Konsenskultur des Bankenverbands und seiner 265 Mitglieder etwas bewirken kann.

Eflamm Mordrelle, «Neue Zürcher Zeitung»

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