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Die AHV erreicht vor allem dank Gold und Aktienboom Anlageerträge von über 2 Milliarden Franken

Der massive Anstieg des Goldpreises poliert die AHV-Rechnung 2025 auf. (Adobe Stock)

Die AHV erreicht vor allem dank Gold und Aktienboom Anlageerträge von über 2 Milliarden Franken

Versicherung

18.2.2026 | nzz.ch

Die AHV erreicht vor allem dank Gold und Aktienboom Anlageerträge von über 2 Milliarden Franken

Die Wertpapier- und Goldanlagen der AHV haben 2025 im Mittel mit über 6 Prozent rentiert. Der Durchschnitt der Pensionskassen dürfte schlechter abgeschnitten haben. Im langfristigen Vergleich stehen die Pensionskassen aber besser da.

In der AHV zahlen die Erwerbstätigen und Steuerzahler von heute die Rentner von heute – und die Erwerbstätigen und Steuerzahler von morgen finanzieren die Rentner von morgen. Der Jargon spricht von «Umlageverfahren», doch man kann es auch ein Pyramidensystem nennen.

Die zweite Säule der Altersvorsorge – via Pensionskassen – beruht dagegen auf Selbstverantwortung: Man zahlt auf sein eigenes Alterssparkonto ein, und die bis zur Pensionierung angesparte Summe finanziert danach die eigene Rente. Auch in der zweiten Säule gibt es versteckte Umverteilungen, doch im Unterschied zur AHV bilden solche Quersubventionierungen nicht den Kern des Systems.

61 contra 1300 Milliarden

Die Systemdifferenzen spiegeln sich auch in den Summen der verwalteten Vermögen. Per Ende 2025 betrug das Vermögen des AHV-Fonds knapp 61 Milliarden Franken, während die Pensionskassen etwa 1300 Milliarden Franken Vermögen verwalten. Die Erträge aus den Vermögensanlagen leisten deshalb in der zweiten Säule einen weit gewichtigeren Beitrag zur Finanzierung der Renten.

So waren im starken Anlagejahr 2024 die Erträge der Pensionskassen mit 84 Milliarden Franken sogar höher als die Summe der Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern (67 Milliarden). Auch 2025 könnte es so gewesen sein. Wird 2026 ein durchschnittliches Anlagejahr, dürften die Anlageerträge immer noch 30 bis 45 Prozent zur Finanzierung der Pensionskassenrenten beitragen.

Bei der AHV machten dagegen die Anlageerträge selbst im Spitzenjahr 2024 «nur» 4 bis 5 Prozent der Gesamteinnahmen aus. Der Rest entfiel auf Beiträge von Arbeitgebern, Arbeitnehmern sowie auf steuerfinanzierte Subventionen. Doch auch bei der AHV sind die Anlageerträge nicht zu verachten. In einem durchschnittlichen Jahr können diese die Jahresrechnung des Sozialwerks um 1 bis 1,5 Milliarden Franken verbessern.

6,3 Prozent Rendite

2025 war ein weit überdurchschnittliches Anlagejahr: Aktien, Immobilien und Gold legten weiter zu, zum Teil massiv. Das bescherte den Sozialwerken AHV, IV und EO Anlagerenditen von durchschnittlich 6,3 Prozent. Dies teilte die für die Vermögensverwaltung der Sozialwerke zuständige Bundesorganisation Compenswiss am Dienstag vor den Medien in Bern mit. Im Langfristvergleich ist 6,3 Prozent eine sehr hohe Rendite, auch wenn sie unter dem Spitzenergebnis des Vorjahrs von 7,3 Prozent liegt.

Der weitaus grösste Teil der von Compenswiss betreuten Vermögen betrifft die AHV. Gut 10 Milliarden des AHV-Vermögens stecken in einem Darlehen an die IV (verzinst zuletzt mit 2,1 Prozent pro Jahr). Mehrere Milliarden dienen zudem der Sicherstellung der kurzfristigen Liquidität (0,5 Prozent Rendite 2025). Für die ab 2026 jeweils im Dezember ausbezahlte 13. Monatsrente ist laut Compenswiss eine Zusatzliquidität von rund 2 Milliarden Franken erforderlich.

Der Rest betrifft die Anlagen im engeren Sinn. Compenswiss nennt dies das «Marktportfolio»; darauf beziehen sich die genannten Anlagerenditen. Die Renditen auf dem Gesamtvermögen summierten sich 2025 für die AHV auf 2,4 Milliarden Franken. Compenswiss verwaltet etwa die Hälfte des Anlagevermögens intern, für den Rest vergab sie externe Mandate. Der Grossteil der intern verwalteten Vermögen steckt Compenswiss in passive Anlagen (Indexprodukte).

Langer Anlagehorizont hilft

Die AHV dürfte 2025 eine etwas höhere Anlagerendite als der Durchschnitt der Pensionskassen erreicht haben. Gesamtzahlen für die Pensionskassenbranche liegen noch nicht vor, doch der Pensionskassenindex der UBS zeigt für 2025 eine durchschnittliche Rendite von etwa 5,9 Prozent.

Ein möglicher Faktor zugunsten der AHV in diesem Vergleich war das Gold. Der Goldpreis legte 2025 in Franken gerechnet um 46 Prozent zu, und bei der AHV dürfte der Goldanteil im Portfolio mit knapp 5 Prozent Ende 2025 höher sein als in vielen Pensionskassen. Der Aufwertungsgewinn beim Gold trug laut Compenswiss im vergangenen Jahr fast 1,6 Prozentpunkte zur gesamten Anlagerendite bei.

Doch im Langfristvergleich stehen die Pensionskassen besser da. In den letzten zehn Jahren (2016 bis 2025) hat Compenswiss mit seinem Marktportfolio eine Anlagerendite von durchschnittlich 3,1 Prozent erzielt. Die Pensionskassen brachten es im gleichen Zeitraum auf eine höhere Nettojahresrendite von rund 4 Prozent (vgl. Grafik). Und dies trotz höheren Vermögensverwaltungskosten – und obwohl die tiefen Renditen aus den liquiden Mitteln im Unterschied zu den genannten AHV-Zahlen nicht herausgerechnet sind. Systembedingt braucht die AHV prozentual deutlich mehr flüssige Mittel als die durchschnittliche Pensionskasse. Auf dem Gesamtvermögen betrug die Rendite der AHV im vergangenen Jahr 5,9 Prozent.

Die Haupterklärung der Differenz in den Langfristrenditen zwischen AHV und Pensionskassen: Die Pensionskassen halten einen grösseren Teil des Anlagevermögens in eher risikoträchtigen Vehikeln. Diese haben typischerweise stärkere Kursschwankungen, aber dafür im langfristigen Mittel höhere Renditeerwartungen. So hielten die Pensionskassen Anfang 2025 über 60 Prozent ihres Anlagevermögens in Aktien, Immobilien oder alternativen Gefässen wie etwa Hedge-Fonds. Bei der AHV entfallen nur 40 bis 45 Prozent auf solche Anlagen, während gut die Hälfte in Zinspapieren steckt.

Eine zentrale Grösse für die Vermögensverwaltung ist der Anlagehorizont: Je länger dieser Horizont ist, desto höher kann der Anteil von relativ risikoreichen und renditeträchtigen Anlagen sein. Pensionskassen haben laut Branchenkennern typischerweise einen Anlagehorizont von etwa zehn Jahren.

Unsicherheit drückt Renditen

Zentral für die Anlagepolitik der AHV sind laut Compenswiss die Finanzperspektiven des Sozialwerks. Wegen der politischen Unsicherheiten über die Finanzierung der Rentenverpflichtungen lag der Anlagehorizont der AHV in der Vergangenheit oft nur bei etwa fünf Jahren, wie der Compenswiss-Direktor Eric Breval sagt. Auch derzeit rechne man mit einem solchen Horizont. Im Vergleich zu einer Anlagestrategie mit 10-Jahres-Horizont liegt die Renditeerwartung laut Brevals Schätzung um einen halben bis ganzen Prozentpunkt tiefer.

Das Umlageergebnis der AHV dürfte 2025 etwa 2 Milliarden Franken im Plus sein. Das Umlageergebnis spiegelt den Saldo aus Einnahmen und Ausgaben vor Berücksichtigung der Kapitalerträge. Laut den jüngsten Abschätzungen des Bundes dürfte dieses Ergebnis 2026 ins Minus fallen – mit stark steigender Tendenz in den Folgejahren ohne Gegenmassnahmen. Die Reserven würden damit gegen Ende des Jahrzehnts deutlich unter das gesetzliche Minimum von «in der Regel» 100 Prozent der Jahresausgaben fallen.

Compenswiss drängt daher vor allem auf eine möglichst rasche Finanzierung der 13. AHV-Monatsrente. Die Kernbotschaft: Je länger die Politik mit der Finanzierung zuwarte, desto mehr Zusatzmittel brauche es, um wieder in den grünen Bereich zu kommen. Dies beeinflusst auch die Anlagestrategie: Je grösser die finanzielle Unsicherheit der AHV ist, desto weniger risikoreich sollten die Anlagen sein – und desto geringer ist damit die Renditeerwartung.

Hansueli Schöchli, «Neue Zürcher Zeitung»

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