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Apples neuer Chef John Ternus gilt als «nice guy». Kritiker zweifeln, ob der Ingenieur den Konzern vor dem Stillstand bewahren kann

Wird John Ternus als neuer CEO von Apple die Filialen wieder füllen? (Adobe Stock)

Apples neuer Chef John Ternus gilt als «nice guy». Kritiker zweifeln, ob der Ingenieur den Konzern vor dem Stillstand bewahren kann

Technologie

21.4.2026 | nzz.ch

Apples neuer Chef John Ternus gilt als «nice guy». Kritiker zweifeln, ob der Ingenieur den Konzern vor dem Stillstand bewahren kann

Auf Tim Cook folgt als CEO ein Hardware-Experte. Schafft er es, das nächste Produkt vom Kaliber eines iPhone hervorzubringen?

Nach fünfzehn Jahren hat Tim Cook, CEO von Apple, am Montag seinen Rücktritt bekanntgegeben. Auf ihn folgt ein Mann, der in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist: John Ternus leitet die Hardware-Entwicklung von Apple. Also jene Sparte, die für die Entwicklung der physischen Produkte verantwortlich ist – des iPhone, des Mac und des iPad sowie der Wearables wie der Apple Watch.

Ternus folgt auf zwei Techgrössen, die Apple über Jahre hinweg prägten: Tim Cook baute die Produktion in China und Indien aus und führte die Firma zu Wachstum. Steve Jobs hatte die grossen Visionen und erfand Produkte, die verändern, wie wir Technologie konsumieren. Ternus ist ein Ingenieur, der von anderen vor allem als umgänglich beschrieben wird.

Grossraumbüro statt Chefsessel

Ternus studierte an der Universität Pennsylvania Maschinenbau und begann 2001 bei Apple, wo er an den Monitoren der Mac-Computer arbeitete und Bildschirme verbesserte, indem er das Glas mit Magneten in der Halterung fixierte. Danach leitete er die Hardware-Entwicklung verschiedener Geräte, darunter das iPad, AirPods und das iPhone, und stieg bis zum Vizepräsidenten der Sparte auf.

Er tritt die Nachfolge in einer kritischen Zeit an. Seit Jahren warten die Aktionäre – vergeblich – auf die nächste grosse Produktinnovation, einen Durchbruch, einen neuen iPhone-Moment. Gegenüber anderen Techfirmen, die stark in KI investieren und eigene KI-Modelle entwickeln, ist Apple abgefallen. Politische Spannungen bedrohen Lieferketten.

Apple braucht einen Neuanfang, um langfristig erfolgreich zu bleiben. Tim Cook betrachtet Ternus als dafür geeignet. «Er ist ohne Zweifel die richtige Person, um Apple in die Zukunft zu führen», so wird Cook in der Medienmitteilung von Apple zitiert. Hierbei dürften auch zeitliche Überlegungen eine Rolle gespielt haben. Der 50-jährige Ternus ist der Jüngste in Apples oberster Führungsetage. Ihm bliebe genügend Zeit, eine langfristige Strategie zu verfolgen.

Gegenüber amerikanischen Medien beschreiben Kollegen von Ternus diesen als bescheiden und kollegial. Als Ternus den Posten seines ehemaligen Chefs in der Hardware-Sparte übernahm, blieb er lieber im Grossraumbüro sitzen, als ins Einzelbüro einzuziehen, um näher bei seinem Team zu sein. Probleme bei einzelnen Produkten bespricht er am liebsten direkt mit den involvierten Ingenieuren statt mit deren Teamchefs.

An ihrer Abschlussfeier gab Ternus den Bachelor-Studierenden der Universität Pennsylvania 2024 folgenden Rat: «Geht immer davon aus, genauso klug zu sein wie alle anderen im Raum – aber glaubt niemals, genau so viel zu wissen wie sie.» Neben Selbstvertrauen brauche man die Bereitschaft, Fragen zu stellen und zu lernen.

Als neuer CEO muss Ternus sein Ingenieurswissen in unternehmerischen Erfolg übersetzen. Ein Indiz dafür, dass er dazu fähig ist, zeigte sich 2018. Damals wollte Apple kleine Laser in seine iPhones einbauen, welche die Bildqualität der Kamera verbessert hätten. Das hätte aber zusätzliche Kosten von 40 Dollar pro Gerät bedeutet und die Marge gedrückt.

Ternus schlug vor, die verbesserte Technologie nur in den teureren Pro-iPhones einzuführen. Nutzer, denen der Unterschied genügend wichtig sei, würden den Aufpreis bezahlen.

Die Gefahr des schleichenden Bedeutungsverlusts

Ternus war zudem bei der Entwicklung hauseigener Apple-Chips beteiligt, die schneller und kühler rechnen als die ursprünglich von Intel eingekauften Chips. Anfang dieses Jahres stellte Ternus das neue MacBook Neo vor, mit 599 Dollar eine preisgünstigere Alternative zum MacBook. Der günstigere Preis sei auch darauf zurückzuführen, dass der Computer anstatt auf Intel auf den günstigeren Apple-Chips laufe.

Er ist ein Produktentwickler, der weiss, was es bedeutet, wirtschaftlich zu arbeiten. Doch er scheint nicht dafür bekannt, grosse Wagnisse einzugehen. Kritiker monieren, Ternus konzentriere sich nicht auf Zukunftsinvestitionen und tätige keine mutigen Technologieakquisitionen.

Der ehemalige Apple-Mitarbeiter Cameron Rogers merkte gegenüber der «New York Times» an, dass grosse Unternehmen nicht von heute auf morgen sterben würden, sondern schleichend an Bedeutung verlören. John Ternus müsse einen Weg finden, damit Apple wieder Produkte entwickle, die die Welt revolutionierten.

Ternus sei jemand, mit dem man Zeit verbringen wolle, alle liebten ihn. «Hat er schon einmal schwierige Entscheidungen getroffen? Nein. Hat er schon einmal schwierige Probleme im Bereich Hardware gelöst? Nein.»

Die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz zwingen Apple dazu, seine Produkte weiterzuentwickeln. Ternus gilt als Verfechter von KI. Unlängst hat er die Hardware-Entwicklungs-Abteilung umstrukturiert, um mit einer neuen KI-Plattform die Qualität der Geräte zu verbessern.

In einem Fernsehbeitrag zur Vorstellung des MacBook Neo Anfang des Jahres sagte Ternus, KI werde bei Apple weiterhin in alle Produkte eingebunden werden. «Wenn wir es richtig machen, werden die Nutzer es nicht einmal bemerken oder darüber nachdenken.» Sie hätten dann einfach eine neue Funktion, die sie immer häufiger nutzten, weil sie ihnen gefalle.

Als Beispiele nannte Ternus Live-Übersetzungen oder die Optimierung von Fotoaufnahmen. Beispiele, welche eher an inkrementelle Verbesserung als an bahnbrechende Innovation denken lassen.

Malin Hunziker, «Neue Zürcher Zeitung»

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